Litanei der Demut
Die Litanei der Demut wird überwiegend Kardinal Rafael Merry del Val zugeschrieben, der unter Papst Pius X. Kardinalstaatssekretär war. Der Überlieferung nach betetet er die Litanei der Demut jeden Morgen.
Der Juni ist als Monat besonders der Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu verschrieben, wozu auch die Streben nach der Demut gehört, mit der Jesus seinen Kreuzestod annahm.
Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen.
Bilde unser Herz nach deinem Herzen.
O Jesus, sanft und demütig von Herzen, erhöre mich.
Von dem Wunsch, geachtet zu werden, befreie mich o Jesus.
Von dem Wunsch, reich zu werden, ...
Von dem Wunsch, geschätzt zu werden, ...
Von dem Wunsch, geliebt zu werden, ...
Von dem Wunsch, gesehen zu werden, ...
Von dem Wunsch, erhoben zu werden, ...
Von dem Wunsch, geehrt zu werden, ...
Von dem Wunsch, gelobt zu werden, ...
Von dem Wunsch, anderen vorgezogen zu werden, ...
Von dem Wunsch, um Rat gefragt zu werden, ...
Von dem Wunsch, Zustimmung zu finden, ...
Von dem Wunsch, verstanden zu werden, ...
Vor der Furcht, gedemütigt zu werden, befreie mich o Jesus.
Vor der Furcht, erniedrigt zu werden, ...
Vor der Furcht, verachtet zu werden, ...
Vor der Furcht, zurückgewiesen zu werden, ...
Vor der Furcht, verleumdet zu werden, ...
Vor der Furcht, vergessen zu werden, ...
Vor der Furcht, ausgelacht zu werden, ...
Vor der Furcht, geschmäht zu werden, ...
Vor der Furcht, arm zu werden, ...
Vor der Furcht, allein gelassen zu werden, ...
Vor der Furcht, abgewiesen zu werden, ...
Vor der Furcht, Unrecht zu erfahren, ...
Jesus gewähre mir die Gnade, das zu wünschen
..., dass andere mehr geschätzt werden als ich.
..., dass andere mehr geliebt werden als ich.
..., dass andere höher geachtet werden als ich.
..., dass andere im Ansehen der Welt wachsen, ich aber abnehme.
..., dass andere auserwählt werden und ich leer ausgehe.
..., dass andere Lob erhalten und ich übersehen werde.
..., dass andere mir in allem vorgezogen werden.
..., dass andere heiliger werden als ich, vorausgesetzt, dass ich so heilig werde, wie ich soll.
Herr, hilf mir, mich darüber zu freuen
..., dass ich arm und unerkannt bin.
..., dass ich körperlich und geistig unvollkommen bin.
..., dass niemand an mich denkt.
..., dass ich die niedrigsten Arbeiten erfüllen soll.
..., dass sich niemand von mir helfen lässt.
..., dass niemand nach meinem Rat fragt.
..., dass ich auf dem letzten Platz bleibe.
..., dass mir nie jemand ein Kompliment macht.
..., dass ich immer wieder getadelt werde.
Gib mir dazu Deine große Demut und Deine große Liebe, o Jesus
..., dass ich aus eigenem nach keinem Amt strebe, ob ich dafür geeignet bin oder nicht.
..., dass ich ein übernommenes Amt sofort zurückstelle, wenn es deinem heiligen Willen entspricht.
..., dass ich eine mir unangenehme Aufgabe bereitwillig übernehme, wenn es zu deiner Ehre gereicht.
..., dass ich allen unsterblichen Seelen, besonders den Armen, Sündern und Feinden mit stets gleicher Liebe begegne.
..., dass ich Armut, Verachtung und Leiden lieben kann.
O Jesus! Sanft und demütig von Herzen, höre mich.
O Maria, du Mutter aller demütigen Herzen, bitte für mich.
Heiliger Josef, Beschützer der demütigen Seelen, ...
Heiliger Erzengel Michael, der du zuerst die Hoffart niedergeworfen hast, ...
Alle lieben Heiligen und Engel, Muster der Demut, ...
"Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich!" Mt 5,10
Amen.
100 Jahre später erfreut sich die Litanei immernoch anhaltender Beliebtheit. Über den ursprünglichen Zweck hinaus beten sie manche Menschen vor schweren Entscheidungen oder auch vor alltäglichen Dingen, um den Herrn zu bitten, nicht aus Angst oder Eitelkeit zu handeln.
Die Demut ist die Kardinaltugend, die gegen die Sünde des Stolzes steht.
"Die Demut ist wie die Kette im Rosenkranz: Wenn die Kette reißt, fallen die Perlen weg; wenn die Demut weicht, verschwinden alle Tugenden." - Hl. Pfarrer von Ars
Zitate zur Demut:
Ein Heiliger wurde gefragt, welches die erste Tugend sei. "Es ist die Demut", antwortete er. Und die Zweite? "Die Demut." Und die Dritte? "Die Demut."
Die Demut entwaffnet die Gerechtigkeit Gottes.
Hl. Jean-Marie Vianney (Pfarrer von Ars)
Der Stolze tut immer so, als ob er sich gering einschätzte. Er möchte nämlich gern gelobt werden.
Hl. Jean-Marie Vianney (Pfarrer von Ars)
Wahre Demut ist vollkommen, wenn sie nicht danach strebt, für das anerkannt zu werden, was sie ist. Wahre Demut fürchtet, klar erkannt zu werden und dadurch das Lob und die Zustimmung anderer zu erlangen. Sie zieht es vor, kein Lob oder keine Zustimmung von Menschen zu erhalten, weil sie weiß, dass Ehre und Ruhm allein Gott gebühren. Und wahre Demut findet keine Freude an Ruhm und Lob, es sei denn, diese sind an Gott gerichtet. So kommt es, dass die demütige Person traurig wird, wenn sie sich selbst gelobt hört, da sie weiß, dass das Lob und die Bewunderung, die allein Gott zustehen, ihr zugedacht wurden.
Hl. Albertus Magnus (ca. 1200–1280 n. Chr.)
Wie kann also jemand in der Demut bleiben? Wenn er sich an das Gebot Christi erinnert, das sagt: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sprecht: Wir sind unnütze Knechte.“ (Lukas 17,10.) Und wieder der Lehrer der Welt, der sagt: „Ich meine nicht, es ergriffen zu haben.“ (Philipper 3,13.) Wer sich selbst überzeugt hat, dass er nichts Großes getan hat, wie viele Dinge er auch getan haben mag, nur dieser kann demütig sein. Nur derjenige, der denkt, er habe die Vollkommenheit nicht erreicht.
St. Chrysostom (349-407 n.Chr.)
„Ein Herz, das mit Eigenliebe und Stolz erfüllt ist, kann nicht mit Gott erfüllt werden, und der Platz, der darin für das süße Kind von Bethlehem reserviert ist, wird zu klein sein.“
Aus „Divine Intimacy“ von Pater Gabriel von St. Maria Magdalena
Katechismus:
2559. „Das Gebet ist die Erhebung der Seele zu Gott oder eine an Gott gerichtete Bitte um die rechten Güter" (Johannes v. Damaskus, f. o. 3,24). Von woher sprechen wir, wenn wir beten? Von der Höhe unseres Stolzes und unseres Eigenwillens herab oder „aus der Tiefe" (Ps 130, 1) eines demütigen und reuigen Herzens? Wer sich erniedrigt, wird erhöht [Vgl. Lk 18,9-14]. Die Demut ist die Grundlage des Betens, denn „wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen" (Röm 8,26). Um die Gabe des Gebetes zu empfangen, müssen wir demütig gesinnt sein: Der Mensch ist vor Gott ein Bettler [Vgl. Augustinus, serm. 56,6,9].
2628. Anbetung ist die erste Haltung des Menschen, der sich vor seinem Schöpfer als Geschöpf erkennt. Sie verherrlicht die Größe des Herrn, der uns geschaffen hat [Vgl. Ps 95,1-6], und die Allmacht des Retters, der uns vom Bösen befreit. In der Anbetung wirft sich der Geist vor dem „König der Herrlichkeit" (Ps 24,9-10) nieder und schweigt ehrfürchtig vor dem „je größeren Gott" (Augustinus, Psal. 62,16). Die Anbetung des dreimal heiligen und über alles zu liebenden Gottes erfüllt uns mit Demut und gibt unserem Bitten Zuversicht.
2631. Die Bitte um Vergebung ist die erste Regung des Bittgebetes. Sie findet sich etwa im Gebet des Zöllners: „Gott, sei mir Sünder gnädig!" (Lk 18,13). Sie ist die Voraussetzung zum rechtschaffenen und lauteren Beten. Vertrauensvolle Demut stellt uns wieder in das Licht der Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus und damit in die Gemeinschaft unter uns Menschen [Vgl. 1 Joh 1,7-2,2]. Dann „empfangen wir von ihm" all das, „was wir erbitten" (1 Joh 3,22). Die Bitte um Vergebung muß der Eucharistiefeier und dem persönlichen Gebet vorausgehen.
2713. So ist das innere Gebet der einfachste Ausdruck des Mysteriums des Betens. Es ist ein Geschenk und eine Gnade, die nur in Demut und Armut empfangen werden kann. Das innere Gebet ist eine Beziehung des Bundes, die Gott in den Grund unseres Wesens gesenkt hat [Vgl. Jer 31,33.]. Es ist eine Gemeinschaft, in der die heiligste Dreifaltigkeit den Menschen, das Abbild Gottes, sich „ähnlich" gestaltet.
2728. Schließlich muß unser Kampf auch dem gelten, was wir als Scheitern im Gebet erleben. Dazu zählen die Entmutigung angesichts unserer Trockenheit, die Traurigkeit, Gott nicht alles gegeben zu haben, weil wir „ein großes Vermögen" haben, die Enttäuschung darüber, nicht unserem eigenen Willen entsprechend erhört worden zu sein, die Verletzung unseres Stolzes, der sich in der Erbärmlichkeit des Sünders verhärtet und die Abneigung dagegen, das Gebet ungeschuldet geschenkt zu erhalten. In jedem Fall stellt sich die Frage: Wozu Beten? Um diese Hindernisse zu besiegen, müssen wir um Demut, Vertrauen und Ausdauer kämpfen.
2825. >> „Seht, wie Jesus Christus uns Demut lehrte, indem er uns zu verstehen gab, daß die Tugend nicht nur ein Werk unseres Eifers ist sondern auch der Gnade Gottes. Auch hier hieß er wieder einen jeden von uns, im Gebet auf das Wohl der ganzen Welt bedacht zu sein. Er sagte nämlich nicht: ,Es geschehe dein Wille‘ an mir oder an euch, sondern: ,auf der ganzen Welt [Vgl. Joh 8,29], auf daß aller Irrtum verschwinde, die Wahrheit erscheine, jegliches Böse ausgerottet werde, die Tugend Einzug halte und so kein Unterschied mehr bestehe zwischen Himmel und Erde" (Johannes Chrysostornus, horn. in Mt 19,5).
1937. >> „Ich habe die Tugenden verschieden verteilt, indem ich nicht sämtliche einem Einzelnen verlieh, vielmehr dem einen diese, dem andern jene ... Dem einen schenke ich vor allem die Liebe, einem anderen die Gerechtigkeit oder die Demut, diesem lebendigen Glauben ... Die zum menschlichen Leben notwendigen Dinge habe ich so unterschiedlich verteilt und nicht jedem alle gegeben, damit ihr gezwungen seid, euch gegenseitig Liebe zu erweisen ... Ich wollte, daß der eine auf den andern angewiesen sei, und alle als meine Diener die von mir empfangenen Gnaden und Geschenke mit anderen teilen" (Katharina v. Siena, dial. 1,7).