Ehelosigkeit der Priester
Warum dürfen Priester der katholischen Kirche nicht heiraten?
Die Verpflichtung zur Ehelosigkeit für Priester ist eine Disziplin, die in der lateinischen Kirche (die westliche katholische Kirche) seit dem 4. Jahrhundert etabliert wurde, obwohl es Beispiele für Priester, die Zölibat leben, schon vor dieser Zeit gab.
Eine häufig zitierte Stelle aus dem Neuen Testament, die zur Unterstützung des Zölibats herangezogen wird, ist Matthäus 19:12, wo Jesus sagt: "Denn es gibt Eunuchen, die von Geburt an so aus dem Leib ihrer Mutter gekommen sind, und es gibt Eunuchen, die von den Menschen zu Eunuchen gemacht worden sind, und es gibt Eunuchen, die sich selbst zu Eunuchen gemacht haben um des Himmelreichs willen. Wer es fassen kann, der fasse es." Dies wird oft als Aufforderung Jesu an seine Jünger interpretiert, die Ehelosigkeit zu wählen, wenn sie dazu in der Lage sind, um sich ganz dem Dienst an Gottes Reich zu widmen.
In Bezug auf die Kirchenväter argumentierte beispielsweise der heilige Augustinus (354-430), einer der vier großen westlichen Kirchenväter und ein wichtiger Kirchenlehrer, dass die Ehelosigkeit eine höhere Form der Hingabe an Gott darstellt. In seinem Werk "De bono coniugali" (Über das Ehegut) betonte er, dass die Ehe gut ist, aber dass die Ehelosigkeit besser ist, da sie den Christen erlaubt, sich völlig auf Gott zu konzentrieren.
In den kanonischen Bestimmungen, insbesondere im Laterankonzil von 1139, wurde schließlich die priesterliche Ehelosigkeit festgelegt. Seitdem ist es für Priester der lateinischen Kirche nicht erlaubt zu heiraten.
In Bezug auf die biblische Aussage, dass ein Bischof gut für seine Familie sorgen sollte (1 Timotheus 3,1-5), argumentiert die katholische Kirche, dass "Familie" hier nicht unbedingt auf eine physische Familie mit einer Ehefrau und Kindern hinweist, sondern auch auf die spirituelle "Familie" der Kirchengemeinde, die der Priester oder Bischof leitet. Die Priester werden daher aufgerufen, gut für ihre Gemeinde zu sorgen, so wie ein Familienvater gut für seine Familie sorgt.
Die Ehelosigkeit wird im Katechismus der Katholischen Kirche im Abschnitt 1579 behandelt. Dort wird die priesterliche Ehelosigkeit als Zeichen ihrer Hingabe an Gott und die Kirche beschrieben, indem sie "im Zölibat eine besonders enge Verbindung mit der Kirche eingehen, die sie als Zeichen und Anreiz für pastoralen Eifer und als besonderen Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt" leben.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Ehelosigkeit nicht in allen Teilen der katholischen Kirche verpflichtend ist. In den orientalischen katholischen Kirchen, die mit Rom in Gemeinschaft stehen, ist es zum Beispiel erlaubt, dass verheiratete Männer Priester werden, obwohl auch sie nach der Priesterweihe nicht mehr heiraten dürfen. Zudem gibt es in der lateinischen Kirche Ausnahmeregelungen für verheiratete Priester anderer christlicher Konfessionen, die zum Katholizismus konvertieren.
Was wurde im Laterankonzil dazu festgelegt und wie wurde dies begründet?
Das Zweite Laterankonzil, das 1139 unter der Leitung von Papst Innozenz II. stattfand, war das Konzil, das die Zölibatsvorschrift für Priester in der westlichen (lateinischen) Kirche endgültig festlegte. Das Konzil erklärte die Ehen von Priestern für ungültig und betonte die Verpflichtung zur Ehelosigkeit.
Die Begründung für die Einführung der zölibatären Disziplin war mehrschichtig:
Spirituelle Hingabe: Wie bereits erwähnt, wird die Ehelosigkeit als ein Zeichen tiefer Hingabe an Gott und die Kirche betrachtet. Sie ermöglicht dem Priester, sich vollständig auf seinen Dienst und sein geistliches Leben zu konzentrieren, ohne die Verpflichtungen einer Ehe und Familie.
Nachfolge Christi: Die Priester werden aufgefordert, Christus nachzuahmen, der selbst unverheiratet war. Die Ehelosigkeit wird als eine Möglichkeit betrachtet, Christus in seiner Hingabe an die Menschen und an das Reich Gottes nachzuahmen.
Praktische Gründe: Es gab auch praktische Gründe für die Durchsetzung des Zölibats. Beispielsweise verhindert es, dass kirchliche Ämter und Eigentum durch Erbschaft auf die Kinder von Priestern übergehen und sich so Priesterkasten und Machtkonzentration bilden.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Ehelosigkeit nicht als eine höhere oder heiligere Lebensform angesehen wird als die Ehe. Beide Lebensformen - sowohl die Ehe als auch das zölibatäre Leben - werden als gültige und heilige Wege betrachtet, um Gott zu dienen. Die Ehelosigkeit wird jedoch für das Priestertum als besonders geeignet angesehen, um sich vollständig auf den Dienst an Gott und den Menschen konzentrieren zu können.