Biblisch ist katholisch

Die biblische Grundlage des katholischen Glaubens und die Rolle des Heiligen Geistes

Papst St. Damasus I wählte die Schriften aus, die er als echt betrachtete, und ordnete sie an.
Der heilige Hieronymus übersetzte die Schriften.
Papst Siricius nannte sie „Bibel“.
Erzbischof Stephen Langdon und Kardinal Hugo de Sancto Caro schufen die Kapitel und Verse.

Der katholische Glaube ist eine der ältesten und weitverbreitetsten Glaubensrichtungen der Welt. Eine der grundlegenden Überzeugungen der katholischen Kirche ist, dass der Glaube auf der Bibel gründet und biblisch sein muss. Diese Überzeugung ist in der Lehre der Kirche tief verwurzelt und wird durch verschiedene Texte und Zitate aus der Literatur sowie aus dem Katechismus der katholischen Kirche gestützt.


Die Bibel als das Wort Gottes

Eine zentrale Überzeugung im katholischen Glauben ist die Anerkennung der Bibel als das inspirierte Wort Gottes. In seinem Apostolischen Schreiben Verbum Domini betont Papst Benedikt XVI. die Bedeutung der Heiligen Schrift für die katholische Kirche. Er schreibt:

„Die Heilige Schrift ist »Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Heiligen Geistes schriftlich aufgezeichnet wurde«. So erkennt man die ganze Bedeutung des menschlichen Autors, der die inspirierten Texte geschrieben hat, und gleichzeitig Gott selbst als den wahren Autor.“

Diese tiefe Anerkennung der Bibel als das Wort Gottes findet auch im Katechismus der katholischen Kirche einen festen Platz. Im Abschnitt KKK 105 wird klar festgehalten:

„Gott ist der Urheber der Heiligen Schrift. ‚Das von Gott Offenbarte, das in der Heiligen Schrift schriftlich enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden.‘“

Darüber hinaus betont der Katechismus (KKK 106), dass Gott die menschlichen Verfasser der Heiligen Schrift inspiriert hat:

„Zur Abfassung der Heiligen Bücher aber hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten, all das und nur das, was er – in ihnen und durch sie wirksam – selbst wollte, als wahre Verfasser schriftlich zu überliefern.“

Die Festsetzung des Kanons erfolgte im Wesentlichen durch Beschlüsse von Konzilen und Synoden. Besonders bedeutend waren das Konzil von Hippo (393 n. Chr.) und das Dritte Konzil von Karthago (397 n. Chr.), bei denen Listen kanonischer Bücher aufgestellt wurden, die dem heutigen katholischen Kanon sehr nahekommen. Die endgültige Festsetzung des katholischen Bibelkanons, einschließlich der deuterokanonischen Bücher, erfolgte während des Konzils von Trient (1545–1563).

„Ich würde den Evangelien nicht glauben, wenn mich nicht die Autorität der katholischen Kirche dazu bewegen würde.“
– Hl. Augustinus von Hippo (354–430 n. Chr.)

„Mit der römischen Kirche nämlich muss wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen, d. h. die Gläubigen von allerwärts, denn in ihr ist immer die apostolische Tradition bewahrt von denen, die von allen Seiten kommen.“
– Hl. Irenäus von Lyon (ca. 130–202 n. Chr.)

„Diese sind die Quellen der Erlösung... Niemand darf sie verkürzen oder irgendetwas hinzufügen, sondern, unter Verwendung der ganzen Lehre und unter Verwendung aller Bücher, die sie verfassen, muss er sich selbst überzeugen und das, was er lernt, lehren.“
– Hl. Athanasius von Alexandria, Osterfestbrief 39 (367 n. Chr.) über die Bücher, die heute dem Neuen Testament entsprechen.


Die Lehre der Kirche als Interpretationsrahmen

Obwohl die Bibel als das inspirierte Wort Gottes anerkannt wird, betont die katholische Kirche, dass die Auslegung der Schrift eine verantwortungsvolle Aufgabe ist, die innerhalb des Kontexts der katholischen Lehre erfolgen muss. Dieser Interpretationsrahmen ist entscheidend, um sicherzustellen, dass der Glaube biblisch fundiert bleibt.

Im Katechismus der katholischen Kirche (Abschnitt KKK 113) heißt es:

„Die Schrift ‚in der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche‘ lesen. Einem Sinnspruch der Väter zufolge ist ‚die Heilige Schrift eher ins Herz der Kirche als auf Pergament geschrieben‘. Die Kirche bewahrt ja in ihrer Überlieferung das lebendige Gedächtnis des Gotteswortes, und der Heilige Geist gibt ihr die geistliche Auslegung der Schrift, ‚… nach dem geistlichen Sinn, den der Geist der Kirche schenkt‘ (Origenes, hom. in Lev. 5,5).“

Dies betont die Notwendigkeit, die Bibel im Zusammenhang mit der Lehre der Kirche zu verstehen.


Die Tradition als unverzichtbare Ergänzung

In der katholischen Theologie nimmt die Heilige Schrift eine zentrale Stellung ein, doch sie steht nicht isoliert für sich selbst. Vielmehr wird die Bibel von der lebendigen Tradition der Kirche begleitet und ergänzt. Diese Verbindung zwischen Schrift und Tradition wurde von verschiedenen Päpsten und theologischen Schriften erklärt.

Die Bedeutung der Tradition liegt darin, die Kontinuität des Glaubens mit seinen Ursprüngen sicherzustellen und das Glaubensbekenntnis auf die Apostel zurückzuführen. Dieser Gedanke, von Papst Johannes Paul II. in Veritatis Splendor ausgedrückt, verdeutlicht die enge Verbindung zwischen der biblischen Lehre und der Überlieferung, die in der katholischen Kirche gepflegt wird.

„Nach großer Aufregung und heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und Paulus und Barnabas beschloss man, Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen sollten wegen dieser Streitfrage zu den Aposteln und den Ältesten nach Jerusalem hinaufgehen.“ (Apg 15,2)

Die Tradition der Kirche ist kein statisches Konzept, sondern eine lebendige Weitergabe des Glaubens, die über die Jahrhunderte hinweg gewachsen ist und die biblischen Lehren interpretiert und vertieft. Sie bietet eine wichtige Ergänzung zur Heiligen Schrift und hilft dabei, die Bedeutung und Anwendung der biblischen Botschaft im Kontext der heutigen Welt zu verstehen. Papst Johannes Paul II. betonte die Bedeutung dieser Verbindung, um sicherzustellen, dass der Glaube der Kirche authentisch und in Übereinstimmung mit den Lehren der Apostel bleibt.


Die Rolle des Heiligen Geistes

Der Heilige Geist spielt eine zentrale Rolle in der Interpretation der Bibel und der Lehre der katholischen Kirche. Im Katechismus (KKK 108) wird betont, dass der christliche Glaube nicht auf eine „Buchreligion“ beschränkt ist. Das Christentum wird oft als die Religion des „Wortes“ Gottes beschrieben, nicht als die Religion eines bloßen schriftlichen Wortes, sondern als die Religion des menschgewordenen, lebendigen Wortes, wie es der heilige Bernhard ausdrückte. Christus selbst, das ewige Wort des lebendigen Gottes, muss durch den Heiligen Geist unseren Geist „für das Verständnis der Schrift“ (vgl. Lk 24,45) öffnen, damit sie nicht bloßer toter Buchstabe bleibt.

Die katholische Kirche lehrt, dass der Heilige Geist die Gläubigen in der Wahrheit leitet und ihnen hilft, die Bedeutung der Heiligen Schrift zu erfassen. Diese göttliche Führung des Heiligen Geistes gewährleistet, dass der Glaube der Kirche auf der Bibel gründet und biblisch bleibt.


Die Beziehung zwischen Kirche und Bibel: Autorität und Dienst

Wichtig ist hervorzuheben, dass die Kirche sich nicht als „über“ der Bibel stehend betrachtet, sondern im Dienst des Wortes Gottes. Verschiedene Konzilien und kirchliche Dokumente haben dies in aller Klarheit betont:

„Die Kirche steht nicht über der Bibel. Die katholische Kirche ‚empfängt‘, ‚bewahrt‘ und ‚verehrt‘ die Bibel. Sie beansprucht keine Autorität über die Bibel oder das Evangelium. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Konzepte. Eine Aussage eines nicht-autoritativen Theologen ändert diese Tatsache nicht. Das Erste Vatikanische Konzil (1870) und das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) haben dieses Verständnis ausgeführt und noch deutlicher gemacht, dass die katholische Kirche sich nicht als über der Bibel stehend betrachtet. Die Behauptung, wir würden der Kirche Autorität über die Bibel selbst anmaßen, bleibt so falsch wie eh und je.“
– Dave Armstrong, Artikel „Church Higher than Scripture?“ (Patheos, 2023)

Bereits das Konzil von Trient (1546) formulierte in der Vierten Sitzung (Dekret über die kanonischen Schriften):

„…wobei stets darauf zu achten ist, dass, nachdem Irrtümer beseitigt sind, die Reinheit des Evangeliums in der Kirche selbst bewahrt wird; jenes Evangelium, das zuvor durch die Propheten in den heiligen Schriften verheißen wurde, unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes, zuerst mit seinem eigenen Mund verkündete und dann seinen Aposteln befahl, es allen Geschöpfen zu verkünden, als Quelle aller heilsamen Wahrheit und sittlichen Lehre … (die Synode) folgt dabei dem Beispiel der rechtgläubigen Väter und nimmt alle Bücher sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments mit gleicher Frömmigkeit und Ehrfurcht auf und verehrt sie, da ein und derselbe Gott der Urheber beider ist … weil sie entweder durch Christi eigenes Wort oder durch den Heiligen Geist eingegeben wurden und in der katholischen Kirche in einer ununterbrochenen Nachfolge bewahrt worden sind.“

Daran anknüpfend stellte Vatikanum I (Dogmatische Konstitution über den katholischen Glauben, Kapitel II) klar:

„Diese Schriften hält die Kirche für heilig und kanonisch; nicht, weil sie nach sorgfältiger menschlicher Anstrengung verfasst und anschließend durch ihre Autorität anerkannt worden seien; nicht, weil sie Offenbarung ohne Vermischung mit Irrtum enthalten; sondern weil sie unter Eingebung des Heiligen Geistes geschrieben wurden, Gott selbst als ihren Autor haben und der Kirche in dieser Eigenschaft übergeben worden sind.“

Und Vatikanum II (Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung, Dei Verbum, Kapitel III) bekräftigte:

„Die göttlich geoffenbarten Wahrheiten, die im Text der Heiligen Schrift enthalten und dargelegt sind, wurden unter dem Einfluss des Heiligen Geistes niedergeschrieben. Denn die heilige Mutter Kirche, die sich auf den Glauben der apostolischen Zeit stützt, nimmt als heilig und kanonisch die Bücher des Alten und Neuen Testaments – vollständig und mit allen ihren Teilen – an, weil sie unter dem Einfluss des Heiligen Geistes verfasst wurden (vgl. Joh 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,19–21; 3,15–16), weil sie Gott zum Urheber haben und ihr als solche übergeben worden sind.“

Zudem betont Dei Verbum (Kapitel II, 10):

„Die katholische Kirche bekräftigt, dass das katholische ‚Lehramt nicht über dem Wort Gottes steht, sondern ihm dient, indem es nur das lehrt, was überliefert ist, ihm andächtig lauscht, es gewissenhaft hütet und es treu in Übereinstimmung mit göttlichem Auftrag und unter der Hilfe des Heiligen Geistes erklärt…‘“


Die Autorität des Papstes und die Grenzen des Lehramts

Mitunter entsteht das Missverständnis, der Papst oder die Kirche könnten den biblischen Glauben nach Belieben ändern. Doch wie sowohl Konzilien als auch theologische Kommissionen betont haben, ist der Papst Hüter, nicht Meister des Glaubensgutes (depositum fidei). Der katholische Publizist George Weigel schreibt dazu in einem Artikel in der Catholic World Report (2016):

„Manche Strippenzieher sowohl unter den Progressiven als auch unter den Konservativen/Traditionalisten scheinen ein falsches Verständnis davon zu haben, was Päpste tun können.“

Er verweist auf eine Begebenheit beim Zweiten Vatikanischen Konzil, als Papst Paul VI. vorschlug, in Lumen Gentium aufzunehmen, der Papst sei „allein dem Herrn verantwortlich“. Die Theologische Kommission lehnte dies jedoch ab und stellte klar, dass der Papst

„…an die Offenbarung selbst gebunden ist, an die grundlegende Struktur der Kirche, an die Sakramente, an die Definitionen früherer Konzilien und an andere Verpflichtungen, die zu zahlreich sind, um sie alle aufzuzählen…“

Der Papst steht also in der Pflicht der Offenbarung, an die er gebunden ist. Er kann weder das Glaubensbekenntnis verändern noch die Sakramente abschaffen oder neu definieren. Er kann auch nicht entscheiden, dass Arius Recht hatte und Christus nicht göttlich ist. Er ist der Bewahrer, nicht der Erfinder der Glaubenslehren. Die „anderen Verpflichtungen“ umfassen das gesamte überlieferte Glaubensgut, das die Kirche im Laufe der Jahrhunderte weitergegeben hat.


Fazit

Der katholische Glaube gründet auf der Bibel und muss biblisch sein, dem Wort Gottes (Jesus) entsprechen – jedoch geschieht dies im Kontext der katholischen Lehre, Tradition und unter der Leitung des Heiligen Geistes. Die Bibel wird als das inspirierte Wort Gottes anerkannt, aber ihre richtige Auslegung erfolgt im Licht der Lehre der Kirche und ihrer jahrtausendealten Tradition. Diese Verbindung zwischen Schrift, Tradition, Lehre und der göttlichen Führung des Heiligen Geistes gewährleistet die Kohärenz und Kontinuität des Glaubens, wie es schon von Päpsten, Kirchenlehrern, Aposteln und Jesus selbst über die Jahrhunderte hinweg gelehrt wurde.

Die Kirche stellt sich dabei nicht über die Bibel, sondern empfängt, bewahrt und verehrt sie als Gottes Wort. Weder das Lehramt noch der Papst können die Wahrheit der Schrift oder die apostolische Tradition eigenmächtig verändern. Vielmehr dienen sie dem Wort Gottes und erhalten es in seiner Reinheit für alle Generationen. Damit bleibt der Glaube der Kirche in jedem Zeitalter zutiefst biblisch verankert, getragen von der Überzeugung, dass Gott selbst als Autor der Heiligen Schrift durch seinen Heiligen Geist in der Kirche wirkt und sie in der Wahrheit leitet.