2025.02.09
Am fünften Sonntag im Jahreskreis geht es um die Berufung und Sendung durch Gott. Jesaja, Paulus und Petrus erleben eine persönliche Begegnung mit dem Heiligen, die sie verändert. Sie erkennen ihre Unwürdigkeit, erfahren aber zugleich die Gnade Gottes und werden gesandt, um das Evangelium, dass Jesus für uns gestorben ist, zu verkünden.
Jesaja 6,1-2a.3-8: Jesaja erlebt eine Vision Gottes in seiner Heiligkeit. Angesichts der göttlichen Majestät erkennt er seine eigene Unreinheit, wird aber durch die glühende Kohle gereinigt. Auf Gottes Ruf hin antwortet er bereitwillig: „Hier bin ich, sende mich!“
Psalm 138,1-8: Ein Dank- und Lobpsalm, der Gottes Treue und Hilfe preist. Der Beter erkennt Gottes Macht und ist gewiss, dass der Herr sein Werk an ihm vollenden wird.
1 Korinther 15,1-11: Paulus erinnert an das Evangelium: Christus ist für unsere Sünden gestorben, auferstanden und zahlreichen Zeugen erschienen. Er selbst, obwohl unwürdig, wurde durch Gottes Gnade berufen und verkündet nun diese Botschaft.
Lukas 5,1-11: Die Berufung der ersten Jünger. Nach einem wunderbaren Fischfang erkennt Petrus seine Sündhaftigkeit vor Jesus. Doch dieser ruft ihn und seine Gefährten in die Nachfolge: „Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“
Alle drei Berufungsgeschichten zeigen, dass Gott nicht perfekte Menschen erwählt, sondern jene, die sich ihm in Demut öffnen. Jesaja, Paulus und Petrus erkennen ihre eigene Schwäche, doch Gott befähigt sie durch seine Gnade. Sie werden aus ihrer bisherigen Existenz herausgerufen und in den Dienst Gottes gestellt. Die Antwort auf den Ruf ist keine einmalige Handlung, sondern eine lebenslange Hingabe.
Gottes Heiligkeit und unsere Reinigung
Die Vision Jesajas zeigt die unermessliche Heiligkeit Gottes, die in der Liturgie der Kirche ihren Ausdruck findet:
„Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen. Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit.“ (Jes 6,3)
Dieses dreifache „Heilig“ erklingt auch im Sanctus der Eucharistiefeier, wenn die Gläubigen Gott mit den Engeln preisen. Die Erfahrung Jesajas entspricht der Begegnung des Christen mit der Heiligkeit Gottes in der Liturgie. Ebenso wie Jesaja durch die glühende Kohle gereinigt wird, erfahren die Gläubigen Reinigung durch die Sakramente. Ähnlich wie in der Beichte der Mensch seine Schuld bekennt und Vergebung erfährt, bekennt Petrus in der Gegenwart Jesu seine Sündhaftigkeit.Gnade und Berufung
Jesaja wird nicht durch eigene Kraft rein, sondern durch Gottes Eingreifen:
„Siehe, dies hat deine Lippen berührt, so ist deine Schuld gewichen und deine Sünde gesühnt.“ (Jes 6,7)
Dies ist ein starkes Bild für die Sakramente der Beichte und Eucharistie, durch die der Mensch von seinen Sünden gereinigt wird. Die Vergebung kommt allein von Gott, der durch sichtbare Zeichen handelt. Ebenso betont Paulus, dass nicht seine eigene Leistung ihn zum Apostel gemacht hat, sondern allein die Gnade Gottes:
„Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ (1 Kor 15,10)
Diese Gnade wirkt in der Berufung jedes Christen. Niemand ist von sich aus würdig, aber Gott schenkt, was fehlt.Nachfolge und Sendung
Jesaja, Paulus und Petrus erfahren ihre Unwürdigkeit, aber Gott befähigt sie zu ihrer Sendung. Der Prophet spricht nach seiner Reinigung:
„Hier bin ich, sende mich!“ (Jes 6,8)
Diese Haltung ist Vorbild für jeden Christen. Auch Petrus erkennt seine Sündhaftigkeit, als er vor Jesus niederfällt. Doch Jesus beruft ihn trotzdem zum Apostel und „Menschenfischer“: „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.“ (Lk 5,10)
Die Kirche besteht aus Menschen, die nicht aus eigener Kraft fähig sind, sondern durch Gottes Wirken berufen und gesandt werden. Die Jünger verlassen alles, um Jesus zu folgen. Das verweist auf die radikale Hingabe in der Nachfolge Christi, besonders in der Berufung zum Priestertum oder Ordensleben.
Doch alle Gläubigen sind zur missionarischen Jüngerschaft berufen: Jeder Christ ist gesandt, das Evangelium zu verkünden. Die Kirche existiert nicht für sich selbst, sondern um Menschen zu Gott zu führen. „Fürchte dich nicht!“ – Jesu Zuspruch an Petrus gilt allen, die sich in den Dienst Gottes rufen lassen.