Die heilige Messe - Aufbau
0. Das Sakrament der Beichte (Versöhnung)
Die Beichte (Sakrament der Versöhnung) wird häufig vor der Heiligen Messe oder am Vortag angeboten, damit wir uns innerlich und äußerlich reinigen können. Wenn wir zur Kommunion gehen, empfangen wir nichts weniger als das Unendliche selbst – Gott kommt in unserer Mitte und sogar in unser Innerstes. Um dieses Geschenk der Eucharistie mit einem reinen und würdigen Leib anzunehmen, ist es sinnvoll, unser „inneres Haus“ aufzuräumen und die Last der Sünden abzulegen.
In der Beichte werden wir mit Gott versöhnt und unsere Beziehung zu ihm geheilt. Diese Reinigung ist ein Zeichen aufrichtigen Glaubens und Ausdruck unserer Dankbarkeit, dass Christus uns ohne Vorbehalt aufnimmt, sobald wir uns ihm aufrichtig zuwenden.
Die Eucharistie ist der wahrhaftige Leib Jesu: Aus unendlicher Demut nimmt Jesus in der Gestalt des Brotes Wohnung unter uns, damit wir ihn essen und auf diese Weise in uns aufnehmen können.
Warum beichten wir? Weil die Beichte ein offenes Sich-Zeigen vor Jesus ist, in all unserer Schwachheit und in dem Eingeständnis, dass wir es aus eigener Kraft nicht schaffen. Wir stehen zu unserer Unvollkommenheit, bekennen unsere Sünden und bitten um Vergebung und Versöhnung. So werden wir als Kinder Gottes erneut in die unbedingte, barmherzige Liebe aufgenommen und lassen uns von ihr tragen. Dieses Vertrauen, dass allein seine Liebe genügt, ist der erste Schritt in ein befreites und versöhntes Leben.
1. Dreiteilung der Messe: Reinigung, Erleuchtung und Vereinigung
Die gesamte Messfeier wird oft in eine Dreifach-Struktur gegliedert:
Reinigung: Das Schuldbekenntnis, Weihwasser, Kyrie und andere Riten stehen für Läuterung und Vorbereitung.
Erleuchtung: Hier liegt der Fokus auf dem Hören des Wortes Gottes und der Predigt (insbesondere beim Evangelium).
Vereinigung: In der Eucharistie erfahren die Gläubigen die innigste Verbundenheit mit Christus durch die Kommunion.
Diese drei Phasen spiegeln die innere Reise eines Gläubigen wider, der sich schrittweise Gott nähert und schließlich in der Kommunion vollendet vereint.
2. Aufsteigen zu Gott – Kirchenarchitektur und äußere Zeichen
Stufen am Kirchentor: Oft ist die Kirche etwas erhöht, sodass man beim Eintreten hinaufsteigen muss. Dies symbolisiert das Sich-zu-Gott-Erheben.
Durch die Pforte: Das bewusste Eintreten durch das Kirchenportal steht für das Hineintreten in den heiligen Raum und das Abwenden von weltlichen Einflüssen.
3. Christus als Nahrung, Pilgerndes Gottesvolk & Hirte
Die Eucharistie wird als Himmelsmahl verstanden, in dem Christus sich selbst als Nahrung schenkt. Darin offenbart sich Gott als guter Hirte, der sein pilgerndes Volk führt.
4. Himmelsrichtung: Osten als Symbol
Traditionell sind viele Kirchen nach Osten ausgerichtet – Christus wird als Licht der Welt verstanden. Das geistige Ausrichten (auch beim Gebet) nach Osten steht für das Hinwenden zum kommenden Herrn.
5. Drei Stufen am Altar – Glaube, Hoffnung, Liebe
Manche Altäre haben drei Stufen. Sie erinnern an die theologischen Tugenden:
Glaube
Hoffnung
Liebe
Diese Tugenden tragen den Gläubigen bis zum heiligsten Ort, dem Altar, an dem das Opfer Christi gegenwärtig wird.
6. Fünf Wunden Christi – Kreuze auf dem Altar
Der Altar trägt fünf Kreuze (oft eingraviert oder eingeritzt in die Altarplatte). Sie stehen für die fünf Wunden Christi (Hände, Füße, Seite). Diese Zeichen machen deutlich, dass am Altar das Opfer Christi (Kreuzesopfer) in die Gegenwart hineingeholt wird.
7. Schuldbekenntnis, Weihwasser und Innere Erschütterung
Schuldbekenntnis: Hier bitten die Gläubigen um Vergebung ihrer Sünden – ein Moment der Reinigung.
Weihwasser: Erinnerung an die eigene Taufe – der Beginn der Zugehörigkeit zu Christus.
Faustschlag auf die Brust: Ausdruck innerer Erschütterung und Reue.
8. Kyrie – Gott, Christus, Heiliger Geist
Das Kyrie („Herr, erbarme dich“) wird dreimal, bzw. in der Abfolge „Herr – Christus – Herr“ gebetet oder gesungen. Es stellt eine Hinwendung zu Gott dar:
Gott Vater
Christus
Heiliger Geist
Hier bitten die Gläubigen demütig um Barmherzigkeit.
9. Evangelium – Höhepunkt des Wortgottesdienstes
Das Evangelium ist der Höhepunkt im ersten Teil der Messe. Im Evangelium hören wir das Wort Gottes direkt aus den Evangelien.
Norden: In manchen Traditionen wird das Evangelium zur Nordseite verkündet, um symbolisch das Dunkel zu erhellen.
Bekreuzigen (Stirn, Mund, Herz): „In meinen Gedanken, in meinen Worten und in meinem Herzen soll das Evangelium lebendig sein.“
10. Gabenbereitung – Wandlung des Lebens
Die Gabenbereitung (Brot und Wein) ist mehr als nur ein praktisches Vorbereiten. So wie sich die Gaben in der Wandlung zu Leib und Blut Christi verwandeln, soll sich auch das Leben der Gläubigen schrittweise in Christus verwandeln.
11. Sanctus – „Dreimal heilig“ und Einzug in Jerusalem
Das Sanctus („Heilig, heilig, heilig“) verweist auf die himmlische Liturgie (nach Jesaja 6,3) und wird oft in Verbindung mit dem Hosianna (Einzug Jesu in Jerusalem) gesungen. Es ist der Lobpreis Gottes unmittelbar vor dem Hochgebet.
12. Hochgebet – Zentrum der Eucharistie
Im Hochgebet oder Kanon wird das Heilsgeheimnis des Kreuzesopfers sakramental gegenwärtig gesetzt.
Knien: Zeichen des Sich-klein-Machens, der Ehrfurcht.
Doppelte Wandlung: Brot und Wein werden dem Wesen nach zu Leib und Blut Christi (Transsubstantiation).
Wahrhaft Gegenwärtig: Christus ist wirklich in jeder Hostie (auch im kleinsten Teil) und jedem Tropfen Wein zugegen.
13. Das Opfer Christi: Gegenwärtig und doch nicht wiederholt
Die Messe ist keine Wiederholung des Kreuzesopfers, sondern Vergegenwärtigung. Das einmalige Opfer Christi wird sakramental präsent und wir nehmen daran teil. Das geschieht in vollkommener Liebe – das Kreuz als Ausdruck der totalen Hingabe Jesu.
14. Inneres und äußeres Handeln
Die Messe vereint das innere Gebet (Hingabe, Glaube) und die äußeren Akte (Opfer, Gesten, Gemeinschaft). Dadurch wird deutlich:
Glaube ist immer ganzheitlich – mit Herz, Leib und Gemeinschaft.
Gottes Wirken geschieht mitten in unseren menschlichen Handlungen.
15. Melchizedek – König der Stadt des Friedens
Melchizedek taucht im Alten Testament (Gen 14,18) auf, bringt Brot und Wein dar und verschwindet wieder. Er gilt als Vorläufer des ewigen Priesters Christus, und so wird in der Eucharistie Christus als jener Hohepriester gesehen, der das endgültige Opfer darbringt.
16. Vater Unser – tägliches Brot und Ausrichtung
Das Vater Unser fasst das Vertrauen in Gott zusammen: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Die Eucharistie ist die Erfüllung dieses Gebets: Christus gibt uns sich selbst als wahres, lebensspendendes Brot.
17. Friedensgruß – „Ruhe in der Ordnung“
Beim Friedensgruß wird das Zeichen des Friedens ausgetauscht. Eine Geste, die die göttliche Ordnung im Miteinander widerspiegelt und Frieden untereinander herstellt, bevor man zur Kommunion schreitet.
18. Seht das Lamm Gottes – Bezug auf Johannes den Täufer
Vor der Kommunion ertönt: „Seht das Lamm Gottes!“ – Bezug auf Johannes den Täufer, der Jesus als „Lamm Gottes“ ankündigt (Joh 1,29).
Es knüpft an die Tradition des Paschalamms beim Auszug aus Ägypten an.
In Jesus erfüllt sich das endgültige Opfer, das die Sünde der Welt hinwegträgt.
19. Auferstehung – Blut und Leib vereint
In der Auferstehung wird der Leib und das Blut Christi wieder vereint und so besteht in der Eucharistie auch das Auferstehungs-Geheimnis. Wir empfangen den auferstandenen Herrn.
20. Übernatürliches Leben – Kraft zum Guten
Die Kommunion gibt uns Anteil am übernatürlichen Leben. Dadurch schenkt Christus die Kraft, das Gute zu tun und im Glauben zu wachsen. Gleichzeitig vereint er alle Gläubigen in sich zu einer Gemeinschaft.
21. Einheit und gereinigter Blick
In der Messe findet eine Einheit der Versammelten durch Christus statt. Durch den Empfang der Heiligen Kommunion und die Erfahrung von Vergebung und Gnade bekommen wir einen gereinigten Blick auf Gott, aufeinander und auf uns selbst.
22. Schlussgebet und Entlassung
Dank im Schlussgebet: Nach Empfang von Wort und Sakrament spricht die Gemeinde ihren Dank und wird von Gott gestärkt.
Gehet hin in Frieden: Die Entlassung ist ein Sendungsauftrag – „Ihr seid das Licht der Welt“. Die Gläubigen sollen das Empfangene in die Welt hineintragen.
Zusammenfassung
In der Heiligen Messe vollzieht sich der Weg von der Reinigung und Umkehr über das Hören des Wortes bis hin zur Gemeinschaft mit Christus im Sakrament. Die äußeren Riten und Symbole – von den Kirchenstufen über das Schuldbekenntnis, den Friedensgruß bis zur Wandlung am Altar – verweisen alle auf die tiefe innere Dynamik: den Gläubigen immer mehr in Christus hineinzuführen. Das zentrale Mysterium bleibt die Gegenwart des gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der sich aus Liebe schenkt.
Mögen diese Zeichen und Erklärungen helfen, die Messe nicht nur mit dem Verstand, sondern mit dem ganzen Herzen bewusster mitzufeiern. 🙏