Laurentius von Brindisi (1559–1619)
Leben des Heiligen Laurentius von Brindisi
Laurentius von Brindisi (eigentlich Giulio Cesare Russo) wurde am 22. Juli 1559 in Brindisi, Italien, geboren und starb am 22. Juli 1619 in Lissabon, Portugal. Bereits in jungen Jahren verlor er seine Eltern und trat mit 16 Jahren dem Kapuzinerorden bei. Er zeichnete sich durch außergewöhnliche Intelligenz und Sprachbegabung aus und sprach fließend Italienisch, Latein, Griechisch, Hebräisch, Spanisch, Deutsch und Französisch.
Wirken und Einfluss
Laurentius wurde vor allem als brillanter Prediger bekannt. Er nutzte sein außergewöhnliches Wissen in Bibelwissenschaften, Sprachen und Theologie, um christliche Lehren zu verbreiten und zur spirituellen Erneuerung der Kirche beizutragen. Als Ordensmann wirkte er als Missionar und Vermittler, insbesondere zur Zeit der Gegenreformation. Er setzte sich stark für die Einheit der Christenheit ein und wurde zu diplomatischen Missionen berufen.
Laurentius war außerdem Generalminister des Kapuzinerordens und trug maßgeblich dazu bei, diesen zu stärken und spirituell zu erneuern. 1601 führte er in Székesfehérvár (Ungarn) erfolgreich Truppen gegen die osmanische Armee an, wobei er – nur mit einem Kreuz bewaffnet – die Soldaten ermutigte, was seine außergewöhnliche Führungsstärke und seinen Mut verdeutlichte.
Ernennung zum Kirchenlehrer
Laurentius von Brindisi wurde 1881 von Papst Leo XIII. heiliggesprochen. Am 19. März 1959 wurde er von Papst Johannes XXIII. zum Kirchenlehrer erhoben. Grund für diese Ernennung waren seine tiefgründigen theologischen Schriften, seine meisterhafte Beherrschung der Heiligen Schrift sowie seine umfassende, geistreiche Verteidigung der christlichen Lehre während der Gegenreformation.
Schriften und Inhalte des heiligen Laurentius von Brindisi
Laurentius von Brindisi hinterließ ein umfangreiches Werk, das sowohl Predigten als auch theologische, apologetische und exegetische Schriften umfasst. Er schrieb in Latein und war für seine sprachliche wie inhaltliche Präzision berühmt.
1. Predigten und Exegetische Schriften
Predigten zu biblischen Themen: Laurentius verfasste zahlreiche Predigten, die sich an der Heiligen Schrift orientierten. Er erklärte die Bibelstellen nicht nur auf wörtlicher Ebene, sondern legte sie auch allegorisch und moralisch aus. Seine solide Kenntnis von Hebräisch, Griechisch und Latein erlaubte ihm, die Heiligen Schriften umfassend zu erschließen.
Biblische Kommentare: Beispielsweise ist sein Kommentar zur Genesis („Explanatio in Genesim“) hervorzuheben. Darin verband er historische, linguistische und theologische Aspekte, um einen ganzheitlichen Zugang zur Schöpfungsgeschichte zu vermitteln.
Apologetische Werke: Laurentius nahm sich in seinen Schriften – etwa in den „Lutheranae Disputationes“ – strittige theologische Fragen der Reformation vor. Er verteidigte die katholische Position und bemühte sich, Missverständnisse auszuräumen.
2. Besonderes Augenmerk auf das „Mariale“
Das „Mariale“ ist eines der bekanntesten Werke des heiligen Laurentius von Brindisi. Im Kern handelt es sich um eine Sammlung von Predigten und Abhandlungen, die sich mit der Rolle und Würde der Jungfrau Maria in der Heilsgeschichte befassen. Besonders prägnant sind:
Biblische Fundierung
Laurentius legt dar, wie Maria im Alten und Neuen Testament typologisch und prophetisch vorgebildet ist. Er weist beispielsweise auf Stellen in der Genesis (etwa die Protoevangelium-Prophezeiung in Gen 3,15) sowie in den Prophetenbüchern hin, die im kirchlichen Verständnis oft als Hinweise auf die Mutter Jesu gesehen werden.Theologische Argumentation
Laurentius behandelt die zentralen Marien-Dogmen wie die Gottesmutterschaft Mariens, ihre immerwährende Jungfräulichkeit und die Gnadenfülle. Er untermauert diese Lehren mit Schriftauslegungen, Zitaten aus Kirchenvätern und späteren kirchlichen Autoritäten.Geistliche Tiefe und Frömmigkeit
Über die reine Lehre hinaus findet man in den „Mariale“-Texten eine tiefe Verehrung Mariens. Für Laurentius ist sie nicht nur Objekt theologischer Reflexion, sondern ein lebendiges Vorbild des Glaubens. Er betont ihre Demut, ihre innige Verbindung zu Christus und ihre Rolle als Fürsprecherin der Gläubigen.Struktur und Ziel
Das „Mariale“ ist als Sammlung von Predigten aufgebaut, die zu verschiedenen Festtagen Mariens gehalten wurden. Jede Predigt ist sorgfältig gegliedert, beginnt meist mit einer Bibelstelle, die Laurentius anschließend auslegt, um Schritt für Schritt auf eine marianische Lehre oder Tugend hinzuweisen. Ziel ist es, die Gläubigen in die marianische Spiritualität hineinzuführen und zu einer tieferen Nachfolge Christi zu inspirieren.
Ausgewählte Zitate
Laurentius’ Schriften sind von einer tiefen Frömmigkeit durchdrungen. Einige weitere Zitate, die seine theologische Ausrichtung verdeutlichen:
Über die Rolle Mariens als Mittlerin
„Maria hat unter dem Kreuze ihrem Sohn nicht den Weg erleichtert, aber sie hat den Weg aller Gläubigen erleuchtet, indem sie uns gezeigt hat, wie man Gott bis zum Äußersten vertraut.“Zur Einheit von Glaube und Liebe
„Der Glaube an Christus ist die Wurzel, die Liebe seine Frucht; ohne Liebe ist der Glaube tot, ohne Glauben verwelkt die Liebe.“Zum mystischen Verstehen der Bibel
„Wer die Schrift nur mit den Augen des Verstandes, nicht aber mit den Augen der Liebe liest, findet Buchstaben – nicht aber das Wort des lebendigen Gottes.“Zur Kraft des Gebets
„Das Gebet der Gerechten ist stärker als jede Armee, denn es stützt sich nicht auf Menschenmacht, sondern auf die Gnade Gottes.“
Diese Zitate verdeutlichen den Stil von Laurentius: Er verknüpft eine fundierte Bibelauslegung mit einer eindringlichen, zu Herzen gehenden Ansprache, die den Hörer beziehungsweise Leser zur persönlichen Glaubenserneuerung führen will.