Eifersucht
Über Liebe und Egoismus
Eifersucht, dieses beklemmende Gefühl der Angst, jemanden oder etwas zu verlieren, das einem lieb und teuer ist, tritt in vielen menschlichen Beziehungen auf. Sei es in Freundschaften, in der Partnerschaft oder bei Erfolgen anderer – die Eifersucht nagt oft an unserem Herzen. Doch was sagt der katholische Glaube über dieses Gefühl? Wie sollten wir als Christen damit umgehen? Ein Blick auf die Heilige Schrift, die Lehren der Kirchenväter, den Katechismus und die Gedanken von Theologen wie Thomas von Aquin gibt uns tiefere Einsicht in die zerstörerische Natur der Eifersucht und zeigt uns Wege, wie wir stattdessen die Tugend der Liebe leben können.
Die biblische Perspektive auf Eifersucht
Die Bibel spricht wiederholt über die Gefahren der Eifersucht und verurteilt sie als ein Produkt des fleischlichen, weltlichen Denkens. Im Brief des Jakobus wird dies besonders deutlich:
„Habt ihr aber bitteren Neid und Streitsucht in eurem Herzen, so rühmet euch nicht und lüget nicht wider die Wahrheit! Das ist nicht die Weisheit, die von oben stammt, sondern eine irdische, seelische, dämonische. Denn wo Neid und Streitsucht regieren, da ist Unordnung und jedes böse Ding. Die Weisheit von oben aber ist erstens rein, sodann friedsam, gelinde, folgsam, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, nicht schwankend, ungeheuchelt. Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden gesät denen, die Frieden machen.“
(Jakobus 3,14-18)
Hier wird klar: Eifersucht führt zu Unordnung, Streit und Zerstörung. Sie ist keine göttliche Eigenschaft, sondern eine weltliche Versuchung, die uns in die Irre führt. Das Gegenteil von Eifersucht ist die Weisheit von oben, die Frieden, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt.
Auch das Buch Prediger sieht Eifersucht als eine sinnlose und zerstörerische Kraft, die zu einem leeren, unerfüllten Leben führt:
„Und ich sah all die Mühe und all die Geschicklichkeit in der Arbeit, dass es Eifersucht des einen gegen den anderen ist. Auch das ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind.“
(Prediger 4,4)
Die Schrift stellt hier klar, dass Eifersucht letztlich nur zu Leere und Vergeblichkeit führt. Sie ist wie ein Versuch, den Wind zu fangen – eine sinnlose und vergebliche Anstrengung.
Der Katechismus und die Lehren der Kirchenväter
Auch der Katechismus der Katholischen Kirche verurteilt Eifersucht als eine der sieben Todsünden, die die menschliche Seele vergiften. In Artikel 2539 heißt es:
„2539 Der Neid ist eine Hauptsünde. Er besteht darin, dass man traurig ist, weil es einem anderen gut geht, und maßlos danach verlangt, sich dessen Gut selbst auf ungerechte Weise anzueignen. Wer aus Neid dem Nächsten ein schlimmes Übel wünscht, begeht eine Todsünde (Vgl. dazu auch 1866).“
Der Katechismus betont, dass Eifersucht gegen die christliche Tugend der Liebe verstößt, die stets das Wohl des anderen sucht. Während die Eifersucht den anderen kontrollieren und unterdrücken will, strebt die Liebe nach Freiheit und Wohlergehen für den Nächsten.
Die Kirchenväter, darunter Augustinus und Johannes Chrysostomus, verurteilten die Eifersucht als eine Form des Egoismus. Augustinus bezeichnete sie als „Selbstvergötterung“, weil sie den Menschen dazu bringt, seine eigenen Bedürfnisse über das Wohl der anderen zu stellen. Chrysostomus wies darauf hin, dass Eifersucht das Herz verhärtet und die Seele verschließt, wodurch die Liebe keinen Raum mehr hat.
Thomas von Aquin über Eifersucht
Der bedeutende Theologe Thomas von Aquin widmet in seiner Summa Theologica der Eifersucht einen eigenen Abschnitt. Für ihn ist Eifersucht eine Form von „ungeordneter Traurigkeit“, die entsteht, wenn man das Glück oder den Erfolg eines anderen nicht ertragen kann. In der Summa schreibt er:
„Eifersucht entspringt der Liebe, aber es ist eine verdorbene Liebe, die sich nicht auf das Gute des anderen freut, sondern vielmehr versucht, es zu zerstören. Eine solche Haltung ist zutiefst unvernünftig und führt zur Sünde.“
Hier zeigt Thomas von Aquin, dass Eifersucht aus einer fehlgeleiteten Liebe resultiert. Während wahre Liebe das Gute des anderen fördert, zerstört Eifersucht diese Liebe und führt zur Sünde.
Eifersucht als Werk des Fleisches
Auch im Neuen Testament wird Eifersucht klar als eine sündige Eigenschaft verurteilt, die aus der fleischlichen Natur des Menschen kommt. Der Apostel Paulus schreibt im Galaterbrief:
„Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Sekten, Neid, Totschlag, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, von denen ich euch vorhersage, dass, die solches tun, das Reich Gottes nicht ererben werden.“
(Galater 5,19-21)
Paulus stellt Eifersucht hier in eine Reihe mit anderen schwerwiegenden Sünden wie Hurerei und Götzendienst. Diese Werke des Fleisches sind unvereinbar mit dem Reich Gottes und stehen im Widerspruch zu den Tugenden, die der Heilige Geist in uns hervorbringen will.
Im ersten Brief an die Korinther geht Paulus noch weiter und mahnt die Gläubigen zur Nächstenliebe, die die Eifersucht überwinden soll:
„Die Liebe ist langmütig und gütig, die Liebe beneidet nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf; sie ist nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu; sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit.“
(1. Korinther 13,4-6)
Diese Worte erinnern uns daran, dass wahre Liebe selbstlos ist. Sie sucht nicht das eigene Wohl, sondern das Wohl des anderen. Eifersucht, die aus Egoismus und Unsicherheit entsteht, hat keinen Platz in einem Herzen, das von der Liebe Gottes erfüllt ist.
Die Lösung: Wahre Liebe
Die Antwort auf Eifersucht ist die Liebe – eine Liebe, die frei von Egoismus ist und sich am Glück des anderen erfreut. Wie der Apostel Jakobus in einem weiteren Vers betont:
„Wo nämlich Eifersucht und Streitsucht herrschen, gibt es Unfrieden und jede Art von Gemeinheit. Dagegen ist die Weisheit von oben erst einmal rein, dann friedfertig, gütig und nachgiebig. Sie ist voller Erbarmen und guter Früchte, unparteiisch und ohne Heuchelei.“
(Jakobus 3,16-17)
Die Weisheit Gottes lehrt uns, Frieden zu stiften und die Freude des anderen zu teilen. Eifersucht sperrt uns in einen Käfig des Egoismus, während wahre Liebe uns befreit und uns in die Gemeinschaft mit Gott und unseren Mitmenschen führt.
Fazit
Eifersucht ist eine zerstörerische Kraft, die uns von Gott und unseren Mitmenschen trennt. Sie entspringt einem tiefen Egoismus und verhindert, dass wir die wahre Liebe leben können, zu der wir als Christen berufen sind. Stattdessen sollten wir uns darum bemühen, in der Weisheit und Liebe zu leben, die uns Christus gelehrt hat.
Wo Eifersucht und Neid sind, dort gibt es keinen Frieden, nur Bitterkeit. Als Christen sind wir dazu aufgerufen, den Weg der Liebe zu gehen – einen Weg, der uns von der Fessel der Eifersucht befreit und uns zu wahrer Freude und Frieden führt.
Denn wie der Apostel Paulus abschließend im Galaterbrief mahnt:
„Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit; wider solche gibt es kein Gesetz.“
(Galater 5,22-23)
Lassen wir uns also von dieser Frucht leiten und überwinden wir die Eifersucht durch die Kraft der göttlichen Liebe.