2024.11.03
Die Liebe Gottes und der Bund mit Israel und der Kirche
Die heutigen Lesungen in der katholischen Kirche haben einen gemeinsamen Kern: die zentrale Bedeutung der Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Dieser Gedanke verbindet das Alte und das Neue Testament und schafft eine Brücke zwischen dem Bund am Sinai, den Gott mit Israel geschlossen hat, und dem Neuen Bund, den Jesus Christus beim Abendmahl gestiftet hat.
1. Deuteronomium (Dtn 6,2-6)
Die Lesung aus dem Deuteronomium ruft Israel auf, den Herrn mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft zu lieben. Sie enthält das Sch'ma Israel, das grundlegende Glaubensbekenntnis des Volkes Israel. Diese zentrale Aussage stellt den Glauben an den einen, einzigen Gott und die völlige Hingabe an ihn in den Mittelpunkt des Lebens und Glaubens. „Diese Worte sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.“ Der Prophet Jeremia (Jeremia 31,33) kündigt später an, dass Gott aufgrund des wiederholten Bundesbruchs des Volkes einen neuen Bund schließen wird, einen Bund, der nicht mehr auf steinernen Tafeln, sondern direkt in die Herzen der Menschen geschrieben sein wird. Dadurch wird deutlich, dass der Neue Bund eine innigere, unmittelbarere Beziehung zwischen Gott und den Menschen ermöglicht, die sich von innen heraus an seine Gebote halten.
2. Psalm 18
Der Psalm ist ein Lobgesang auf Gott als Retter und Zuflucht. Auch hier wird die Beziehung zu Gott als Lebensgrundlage dargestellt. Israel erkennt und preist den Herrn als seinen Fels und Beschützer, und diese Bindung wird durch das Bild des Gottes, der rettet und befreit, weiter gestärkt. Der Psalm unterstreicht, dass der Gott Israels auch der Gott der Kirche ist, der sie stützt und schützt.
3. Hebräerbrief (Hebr 7,23-28)
In der zweiten Lesung wird Jesus Christus als ewiger Hohepriester beschrieben, dessen Priestertum das des Alten Bundes übertrifft. Da Jesus in Ewigkeit lebt, ist sein Opfer vollständig und endgültig; er hat sich ein für alle Mal als Opfer für die Sünden aller Menschen geopfert. Dies steht im Gegensatz zu den Hohepriestern Israels, die regelmäßig Opfer darbringen mussten, um sich selbst und das Volk zu reinigen. Christi Opfer ist ein vollkommenes und endgültiges Opfer für alle Menschen.
4. Evangelium (Mk 12,28b-34)
Im Evangelium bekräftigt Jesus das Doppelgebot der Liebe: die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Diese beiden Gebote wurzeln tief in der Tradition Israels und gelten hier als die höchsten Gebote des christlichen Lebens. Die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten sind untrennbar miteinander verbunden und bilden das Fundament des Glaubens.
Die Verbindung zwischen Israel und der katholischen Kirche
Die katholische Kirche versteht sich als das "neue Israel," das in der Heilsgeschichte in geistiger Kontinuität mit dem antiken Volk Gottes steht. Dieses Israel ist nicht gleichzusetzen mit dem heutigen talmudischen Judentum, sondern bezieht sich auf das Volk, das unseren Messias Jesus hervorgebracht hat. Die Berufung und das Gesetz, die Gott seinem Volk schenkte, bilden das Fundament, auf dem Christus aufbaut. Durch sein ewiges Priestertum und sein Opfer erfüllt Jesus den Bund mit Israel und öffnet ihn für die ganze Menschheit - sowohl für Israeliten als auch für Heiden. Der Glaube Israels findet in Christus seine Erfüllung und seine Ausweitung, und die Kirche übernimmt diesen Auftrag, Gottes Gebote zu leben und die Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu verkünden.