Gehorsam

Gehorsam

Gehorsam ist eine zentrale Tugend im christlichen Leben, insbesondere im katholischen Glauben. Es bedeutet, sich dem Willen Gottes und den Lehren der Kirche zu unterstellen, aus Liebe und Vertrauen. Im christlichen Kontext ist Gehorsam nicht nur eine äußere Handlung, sondern eine innere Haltung, die sich durch Demut und Hingabe ausdrückt.

Der Gehorsam des Heiligen Ignatius von Loyola

Der heilige Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens, lebte und lehrte einen tiefen Gehorsam, insbesondere gegenüber der kirchlichen Autorität. Er erkannte, dass Gehorsam nicht nur darin besteht, Befehlen zu folgen, sondern in der vollständigen Hingabe des eigenen Willens. Ignatius schrieb in seinem Exerzitienbuch:

"Nachdem wir alles Urteil abgelegt haben, müssen wir bereiten und willigen Sinn haben, um in allem der wahren Braut Christi unseres Herrn zu gehorchen, die unsere heilige Mutter, die hierarchische Kirche ist."
(Exerzitienbuch Nr. 353)

"Wenn die Kirche etwas Schwarz nennt und ich sehe es als Weiß, dann werde ich es als Schwarz anerkennen."
(Exerzitienbuch Nr. 365)

Diese Zitate verdeutlichen die Bereitschaft, den eigenen Verstand und das eigene Urteil zugunsten der kirchlichen Autorität zurückzustellen. Ignatius glaubte, dass wahre Freiheit im Gehorsam liegt, weil es den Gläubigen ermöglicht, sich ganz auf den Willen Gottes einzulassen.

Ignatius betonte auch die Wichtigkeit des demütigen Dienstes. Er forderte nicht auf, großartige Vorschläge zu machen oder Kritik zu üben, sondern mit einem offenen Herzen zu fragen: "Was wird gebraucht? Wie kann ich dienen?" Diese Haltung hilft uns, unseren eigenen Willen loszulassen und die Bedürfnisse der Gemeinschaft in den Vordergrund zu stellen.

Der Heilige Ignatius von Loyola lebte diesen Gehorsam auf bemerkenswerte Weise. Anders als Martin Luther, der die Missstände in der Kirche durch Kritik und Abspaltung zu beheben suchte, entschied sich Ignatius für einen anderen Weg: den des radikalen Gehorsams. Er und die ersten Jesuiten unterstellten sich ganz dem Papst und der katholischen Kirche. Ihr Ziel war nicht, die Kirche von außen zu verändern, sondern sie von innen zu erneuern, durch den vollständigen Gehorsam gegenüber der kirchlichen Autorität. Dies zeigte sich besonders deutlich im sogenannten „Gehorsamsgelübde“, das die Jesuiten ablegten. Sie versprachen nicht nur Armut und Keuschheit, sondern auch einen besonderen Gehorsam gegenüber dem Papst, was Ignatius als „besonderes Band der Liebe und des Gehorsams“ bezeichnete. 

Dieser radikale Gehorsam fordert auch die Autorität heraus, dem Vertrauen und der Hingabe, die ihm entgegengebracht werden, gerecht zu werden. Die Hingabe des eigenen Willens durch Ignatius und die Jesuiten setzte eine besondere Verpflichtung der Führung voraus, weise, gerecht und mit großem Verantwortungsbewusstsein zu handeln. Durch die radikale Unterordnung wird auch die Autorität selbst transformiert, da sie dazu aufgerufen ist, mit einem tiefen Bewusstsein für die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu führen. Ignatius' Gehorsam war damit nicht nur ein Akt der Demut, sondern auch ein Aufruf an die Führung, ihrer Verantwortung im Sinne der Gemeinschaft und des göttlichen Willens gerecht zu werden.

Zusätzlich formulierte Ignatius in seinen Exerzitien auch ein Prinzip, das uns hilft, in Freiheit und Gehorsam zu leben:

"Der Mensch ist geschaffen, um Gott unseren Herrn zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und zu dienen und mittels dessen seine Seele zu retten; und die übrigen Dinge auf dem Angesicht der Erde sind für den Menschen geschaffen und damit sie ihm bei der Verfolgung des Zieles helfen, zu dem er geschaffen ist. Daraus folgt, dass der Mensch sie soweit gebrauchen soll, als sie ihm für sein Ziel helfen, und sich soweit von ihnen lösen soll, als sie ihn dafür hindern."
(Exerzitienbuch Nr. 23)

Ignatius führt weiter aus, dass der Mensch in allen Dingen indifferent sein sollte:

"Wir sollen also nicht unsererseits mehr wollen: Gesundheit als Krankheit, Reichtum als Armut, Ehre als Ehrlosigkeit, langes Leben als kurzes; und genauso folglich in allem sonst, indem wir allein wünschen und wählen, was uns mehr zu dem Ziel hinführt, zu dem wir geschaffen sind."
(Exerzitienbuch Nr. 23)

Der Gehorsam des Heiligen Pater Pio

Pater Pio von Pietrelcina, ein Kapuzinermönch und Mystiker, ist ein herausragendes Beispiel für gelebten Gehorsam in der katholischen Kirche. Trotz seiner außergewöhnlichen spirituellen Gaben, einschließlich der Stigmata, unterwarf sich Pater Pio stets dem Willen Gottes und der Autorität der Kirche, auch wenn dies mit großem persönlichen Leiden verbunden war.

Besonders bemerkenswert ist seine Haltung, als ihm aufgrund von Misstrauen in den 1920er Jahren verboten wurde, öffentlich die Messe zu feiern und Beichten zu hören. Viele seiner Anhänger waren empört und sprachen offen über die vermeintliche Ungerechtigkeit der Kirche. Doch Pater Pio korrigierte jeden, der Zweifel an der Entscheidung der Kirche äußerte. Er erinnerte daran, dass der demütige Gehorsam zur Kirche ein Ausdruck des Vertrauens und der völligen Hingabe in Gottes Plan ist: „Es ist die Kirche, die dir den Weg zu Christus zeigt. Man muss der Kirche immer gehorchen.“

In dieser Zeit ermahnte er sogar einen Unterstützer, der vorhatte, skandalöse Informationen über hochrangige Kirchenmitglieder zu veröffentlichen, um Pater Pio zu „befreien“. In seinem typischen Eifer für den Gehorsam reagierte Pater Pio wütend und sagte: „Du Teufel! Geh und wirf dich zu Füßen der Kirche, anstatt diesen Unsinn zu schreiben!“ Diese Reaktion zeigt die tiefe Überzeugung Pater Pios, dass das Wohl der Kirche und der Gehorsam gegenüber ihrer Autorität wichtiger sind als persönliche Rechtfertigung oder Rache.

Trotz der Ungerechtigkeiten, die er erlitt, und der Schmerzen, die seine außergewöhnlichen Gaben mit sich brachten, gehorchte Pater Pio der kirchlichen Autorität ohne zu zögern. Seine Treue und sein bereitwilliges Leiden machten ihn zu einem Vorbild für Christen weltweit, die nach Demut und Hingabe streben. Pater Pio zeigte, dass Gehorsam, wenn er aus Liebe und Vertrauen gelebt wird, eine Quelle großer Gnade und spiritueller Fruchtbarkeit ist. „Süß ist die Hand der Kirche, auch wenn sie zuschlägt, denn sie ist die Hand einer Mutter“, sagte er einmal. Diese Haltung des bedingungslosen Gehorsams macht Pater Pio zu einem leuchtenden Beispiel dafür, was es bedeutet, sein Leben ganz in den Dienst Gottes zu stellen.

Gehorsam im Katechismus der Katholischen Kirche

Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) spricht ebenfalls von der Tugend des Gehorsams. Im Abschnitt 1900 heißt es:

"Die Gehorsamspflicht verlangt von allen, der Autorität die ihr gebührende Ehre zu erweisen und die Personen, die ein Amt ausüben, zu achten und ihnen – je nach Verdienst – Dankbarkeit und Wohlwollen entgegenzubringen."

Abschnitt 1269 

"Zu einem Glied der Kirche geworden, gehört der Getaufte nicht mehr sich selbst [Vgl. 1 Kor 6,19], sondern dem, der für uns gestorben und auferstanden ist [Vgl. 2 Kor 5,15]. Darum soll er sich in der Gemeinschaft der Kirche den anderen unterordnen [Vgl. Eph 5,21; 1 Kor 16,15–16], ihnen dienen [Vgl. Joh 13,12–15], und den Vorstehern der Kirche gehorchen, sich ihnen unterordnen [Vgl. Hebr 13,17], sie anerkennen und hochachten [Vgl. 1 Thess 5,12–13]. Wie sich aus der Taufe Verantwortungen und Pflichten ergeben, so besitzt der Getaufte in der Kirche auch Rechte: das Recht, die Sakramente zu empfangen, durch das Wort Gottes gestärkt und durch die weiteren geistlichen Hilfeleistungen der Kirche unterstützt zu werden [Vgl. LG 37; CIC. cann. 208–223; CCEO, can. 675,2] (Vgl. dazu auch 871)."

Im Abschnitt 2238 wird erklärt:

"2238 Die der Autorität Unterstellten sollen ihre Vorgesetzten als Diener Gottes ansehen, der diese zur Verwaltung seiner Gaben bestellt hat [Vgl. Röm 13, 1-2] „Unterwerft euch um des Herrn willen jeder menschlichen Ordnung ... Handelt als Freie, aber nicht als solche, die Freiheit als Deckmantel für das Böse nehmen, sondern wie Knechte Gottes“ (1 Petr 2, 13. 16). Loyale Mitarbeit bringt für die Bürger das Recht und manchmal sogar die Pflicht mit sich, in angemessener Weise zu kritisieren, was der Menschenwürde oder dem Gemeinwohl zu schaden scheint."

Dieser Abschnitt zeigt auf, dass der Gehorsam gegenüber Autoritäten nicht bedeutet, dass Kritik unterdrückt werden sollte. Der Katechismus macht deutlich, dass der Gehorsam zwar eine Tugend ist, er jedoch immer in Übereinstimmung mit der göttlichen Gerechtigkeit und der moralischen Ordnung stehen muss. Sollte eine Autorität gegen das Gemeinwohl oder die Menschenwürde verstoßen, besteht die Pflicht, dies auf angemessene Weise zu kritisieren. Dies zeigt, dass Gehorsam und Kritik sich nicht ausschließen, sondern sich ergänzen, wenn es darum geht, das Gute zu fördern und Missstände aufzuzeigen. Solche Kritik soll jedoch stets in Respekt, Besonnenheit und im Geiste der Liebe und Loyalität gegenüber der Autorität erfolgen, die von Gott eingesetzt ist.

Darüber hinaus spricht der Katechismus in Absatz 144 darüber, dass der Gehorsam in erster Linie Gott gegenüber geboten ist. Da die Kirche in ihrer Autorität als Stimme Gottes auf Erden handelt, ist der Gehorsam gegenüber der Kirche eine Verlängerung des Gehorsams gegenüber Gott.

Weitere heilige Stimmen zum Gehorsam

Viele Heilige haben die Bedeutung des Gehorsams hervorgehoben. Der heilige Benedikt von Nursia, Gründer des Benediktinerordens, schrieb in seiner Regel:

"Der erste Schritt zur Demut ist der Gehorsam, ohne Verzögerung zu leisten."

Für Benedikt war Gehorsam der Grundstein eines geordneten und frommen Lebens. Er erkannte, dass der Gehorsam uns formt und diszipliniert, indem wir uns selbst loslassen und uns dem Willen Gottes anpassen.

Der heilige Franz von Sales sagte:

"Der Gehorsam ist der kürzeste und sicherste Weg zur Vollkommenheit."

Er betonte, dass Gehorsam nicht nur eine Pflicht, sondern ein Weg ist, der zur Heiligkeit führt. Indem wir uns freiwillig unterwerfen, wachsen wir in Tugend und Liebe.

St. Johannes von Gott sagte:
"Die erste Tugend ist der Glaube, alles zu glauben, was die Heilige Mutter Kirche glaubt und hält, und zu bewahren und in die Praxis umzusetzen, was sie gebietet."

Fazit

Gehorsam ist eine wertvolle Tugend im christlichen Leben, die Demut, Hingabe und Vertrauen erfordert. Es bedeutet, die eigene Meinung und den eigenen Willen loszulassen und sich den Bedürfnissen der Kirche und der Gemeinschaft zu stellen. Der heilige Ignatius von Loyola und andere Heilige haben uns gezeigt, dass wahre Freiheit und Vollkommenheit im Gehorsam liegen. Indem wir fragen: "Wie kann ich dienen?" und nicht: "Ich weiß es besser", öffnen wir uns für die Gnade Gottes und wahrem Wachstum im Glauben.

Um diese Haltung des Gehorsams konkret umzusetzen, ist es sinnvoll, sich direkt an sein kirchliches Oberhaupt zu wenden, was in den meisten Fällen der eigene Pfarrer ist. Ihn zu fragen: "Wie kann ich der Kirche und der Gemeinschaft dienen?", spiegelt das tiefe Verlangen wider, den eigenen Willen dem Willen Gottes und den Bedürfnissen der Kirche unterzuordnen. Auf diese Weise zeigt man Demut und Bereitschaft, dem Reich Gottes in ganz praktischer Weise zu helfen. So wird der Gehorsam nicht nur zu einem abstrakten Prinzip, sondern zu einer gelebten Realität, die in den alltäglichen Dienst mündet.

Bibelverse

Johannes 14:15 "Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten."

Hebräer 13:17 "Gehorcht euren Führern und folgt ihnen; denn sie wachen über eure Seelen und müssen Rechenschaft geben, damit sie dies mit Freude tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre nicht gut für euch."

Römer 13:1 "Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat; denn es gibt keine Obrigkeit außer von Gott, und die bestehenden Obrigkeiten sind von Gott eingesetzt."

1. Johannes 3:24 "Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daran erkennen wir, dass er in uns bleibt: an dem Geist, den er uns gegeben hat."

Apostelgeschichte 5:29 "Petrus aber und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen."

Kolosser 3:20 "Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in allem; denn das ist wohlgefällig im Herrn."

Philipper 2:8 "Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz."

Lukas 11:28 "Er aber sprach: Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen."

1. Samuel 15:22 "Samuel aber sprach: Hat der HERR Wohlgefallen an Brandopfern und Schlachtopfern, wie daran, dass man der Stimme des HERRN gehorcht? Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, Aufmerken besser als das Fett von Widdern."

Jakobus 1:22 "Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein; sonst betrügt ihr euch selbst."

Sprüche 3:5-6 "Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen."

Römer 16:19 "Denn euer Gehorsam ist zu allen hingelangt. Daher freue ich mich eurethalben; ich will aber, daß ihr weise seid zum Guten, aber einfältig zum Bösen."

Hebräer 11:8 "Durch Glauben war Abraham, als er gerufen wurde, gehorsam, auszuziehen an den Ort, den er zum Erbteil empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme."

1. Petrus 1:2 "auserwählt nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi: Gnade und Friede sei euch vermehrt!"

Katechismus

55 Als der Mensch „im Ungehorsam deine Freundschaft verlor und der Macht des Todes verfiel, hast du ihn dennoch nicht verlassen ... Immer wieder hast du den Menschen deinen Bund angeboten“ (MR, Viertes Hochgebet 118) (Vgl. dazu auch 761).

143 Durch den Glauben ordnet der Mensch seinen Verstand und seinen Willen völlig Gott unter. Er gibt Gott, der sich offenbart, mit seinem ganzen Wesen seine Zustimmung [Vgl. DV 5]. Die Heilige Schrift nennt diese Antwort des Menschen auf den sich offenbarenden Gott „Glaubensgehorsam“ [Vgl. Röm 1, 5; 16, 26]. (Vgl. dazu auch 2087)

144 Im Glauben gehorchen [ob–audire] heißt, sich dem gehörten Wort in Freiheit unterwerfen, weil dessen Wahrheit von Gott, der Wahrheit selbst, verbürgt ist. Als das Vorbild dieses Gehorsams stellt die Heilige Schrift uns Abraham vor Augen. Die Jungfrau Maria verwirklicht ihn am vollkommensten.

148 Die Jungfrau Maria übt den vollkommensten Glaubensgehorsam. Da sie glaubte, dass für Gott „nichts unmöglich“ ist (Lk 1, 37) [Vgl. Gen 18, 14], nahm sie die vom Engel gebrachte Ankündigung und Verheißung im Glauben entgegen und gab ihre Einwilligung: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1, 38). Elisabet begrüßte sie: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1, 45). Um dieses Glaubens willen werden alle Geschlechter sie seligpreisen [Vgl. Lk 1, 48] (Vgl. dazu auch 494, 2617, 506).

154 Nur durch die Gnade und den inneren Beistand des Heiligen Geistes ist man imstande, zu glauben. Und doch ist Glauben ein wahrhaft menschlicher Akt. Es widerspricht weder der Freiheit noch dem Verstand des Menschen, Gott Vertrauen zu schenken und den von ihm geoffenbarten Wahrheiten zuzustimmen. Schon in den menschlichen Beziehungen verstößt es nicht gegen unsere Würde, das, was andere Menschen uns über sich selbst und ihre Absichten sagen, zu glauben, ihren Versprechen Vertrauen zu schenken (z. B. wenn ein Mann und eine Frau heiraten) und so mit ihnen in Gemeinschaft zu treten. Folglich verstößt es erst recht nicht gegen unsere Würde, „dem offenbarenden Gott im Glauben vollen Gehorsam des Verstandes und des Willens zu leisten“ (1. Vatikanisches Konzil: DS 3008) und so in enge Gemeinschaft mit ihm zu treten (Vgl. dazu auch 1749, 2126).

391 Hinter der Entscheidung unserer Stammeltern zum Ungehorsam steht eine verführerische widergöttliche Stimme [Vgl. Gen 3,1–5], die sie aus Neid in den Tod fallen läßt [Vgl. Weish 2,24]. Die Schrift und die Überlieferung der Kirche erblicken in diesem Wesen einen gefallenen Engel, der Satan oder Teufel genannt wird [Vgl. Joh 8,44; Offb 12,9]. Die Kirche lehrt, dass er zuerst ein von Gott erschaffener guter Engel war. „Die Teufel und die anderen Dämonen wurden zwar von Gott ihrer Natur nach gut geschaffen, sie wurden aber selbst durch sich böse“ (4. K. im Lateran 1215: DS 800) (Vgl. dazu auch 2538).

397 Vom Teufel versucht, ließ der Mensch in seinem Herzen das Vertrauen zu seinem Schöpfer sterben [Vgl. Gen3,1], missbrauchte seine Freiheit und gehorchte dem Gebot Gottes nicht. Darin bestand die erste Sünde des Menschen [Vgl. Röm 5,19]. Danach wird jede Sünde Ungehorsam gegen Gott und Mangel an Vertrauen auf seine Güte sein (Vgl. dazu auch 1707, 2541, 1850, 215).

402 Alle Menschen sind in die Sünde Adams verwickelt. Der hl. Paulus sagt: „Durch den Ungehorsam des einen Menschen“ wurden „die vielen [das heißt alle Menschen] zu Sündern“ (Röm 5,19). „Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten“ (Röm 5,12). Der Universalität der Sünde und des Todes setzt der Apostel die Universalität des Heils in Christus entgegen: „Wie es durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen [die Tat Christi] für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt“ (Röm 5,18) (Vgl. dazu auch 430, 605).

411 Die christliche Überlieferung sieht in dieser Stelle die Ankündigung des „neuen Adam“ [Vgl. 1 Kor 15,21–22.45], der durch seinen „Gehorsam bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,8) den Ungehorsam Adams mehr als nur wiedergutmacht [Vgl. Röm 5,19–20]. Übrigens sehen zahlreiche Kirchenväter und –lehrer in der im „Protoevangelium“ angekündigten Frau die Mutter Christi, Maria, als die „neue Eva“. Ihr ist als erster und auf einzigartige Weise der von Christus errungene Sieg über die Sünde zugute gekommen: sie wurde von jeglichem Makel der Erbsünde unversehrt bewahrt [Vgl. Pius IX.: DS 2803] und beging durch eine besondere Gnade Gottes während ihres ganzen Erdenlebens keinerlei Sünde [Vgl. K. v. Trient: DS 1573] (Vgl. dazu auch 359, 615, 491).

461 „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest‘ wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2,5–8) [Vgl. LH, Canticum 1. Sonntagsvesper].

489 Während des ganzen Alten Bundes wurde die Berufung Marias durch die Sendung heiliger Frauen vorbereitet. Trotz ihres Ungehorsams wird Eva schon zu Beginn verheißen, sie werde einen Nachkommen erhalten, der den Bösen besiegen [Vgl. Gen 3,15] werde, und die Mutter aller Lebendigen sein [Vgl. Gen 3,20]. Kraft dieser Verheißung empfängt Sara trotz ihres hohen Alters einen Sohn [Vgl. Gen 18,10–14; 21,1–2]. Wider alle menschliche Erwartung wählt Gott das, was als machtlos und schwach gilt [Vgl. 1 Kor 1,27], um zu zeigen dass er seiner Verheißung treu bleibt: Hanna, die Mutter Samuels [10 Vgl. 1 Sam 1], Debora, Rut, Judit und Ester sowie viele andere Frauen. Maria „ragt unter den Demütigen und Armen des Herrn hervor, die das Heil mit Vertrauen von ihm erhoffen und empfangen. Mit ihr als der erhabenen Tochter Sion ist schließlich nach langer Erwartung der Verheißung die Zeit erfüllt und hat die neue Heilsökonomie begonnen“ (LG 55) (Vgl. dazu auch 722, 410, 145, 64).

494 Auf die Ankündigung, dass sie durch die Kraft des Heiligen Geistes den „Sohn des Höchsten“ gebären werde, ohne einen Mann zu erkennen [Vgl. Lk 1,28–37], antwortete Maria im „Gehorsam des Glaubens“ (Röm 1,5), in der Gewissheit, dass „für Gott nichts unmöglich“ ist: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort“ (Lk 1,37–38). Indem Maria dem Worte Gottes ihre Zustimmung gab, wurde sie zur Mutter Jesu. Sie machte sich aus ganzem Herzen, ohne dass eine Sünde sie davon abgehalten hätte, den göttlichen Heilswillen zu eigen und gab sich ganz der Person und dem Werk ihres Sohnes hin, um mit der Gnade Gottes in Abhängigkeit vom Sohn und in Verbundenheit mit ihm dem Erlösungsgeheimnis zu dienen [Vgl. LG 56] (Vgl. dazu auch 2617, 148, 968).

„Der hl. Irenäus sagt, dass sie ,in ihrem Gehorsam für sich und das ganze Menschengeschlecht Ursache des Heils geworden ist‘. Deshalb sagen nicht wenige der alten Väter gern, ,dass der Knoten des Ungehorsams der Eva gelöst worden sei durch den Gehorsam Marias; und was die Jungfrau Eva durch den Unglauben gebunden hat, das habe die Jungfrau Maria durch den Glauben gelöst‘. Im Vergleich mit Eva nennen sie Maria ,die Mutter der Lebendigen‘ und öfters betonen sie: ,Der Tod kam durch Eva, das Leben durch Maria“‘ (LG 56) (Vgl. dazu auch 726).

511 Die Jungfrau Maria „hat in freiem Glauben und Gehorsam zum Heil der Menschen mitgewirkt“ (LG 56). Sie hat „als Vertreterin der gesamten Menschennatur“ (Thomas v. A., s. th. 3,30,1) ihr Jawort gesprochen. Durch ihren Gehorsam ist sie zur neuen Eva, zur Mutter der Lebendigen geworden.

517 Das ganze Leben Christi ist Erlösungsgeheimnis. Die Erlösung wird uns vor allem durch das am Kreuz vergossene Blut zuteil [Vgl. Eph 1,7; Kol 1, 13–14; 1 Petr 1,18–19], aber dieses Mysterium ist im ganzen Leben Jesu am Werk: schon in seiner Menschwerdung, in der er arm wird, um uns durch seine Armut zu bereichern [Vgl. 2 Kor 8,9]; in seinem verborgenen Leben, das durch seinen Gehorsam [Vgl. Lk 2,51] unseren Ungehorsam sühnt; in seinem Wort, das seine Zuhörer läutert [Vgl. Joh 15,3]; in seinen Heilungen und Exorzismen, in denen er „unsere Leiden auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen“ hat (Mt 8,17) [Vgl. Jes 53,4]; in seiner Auferstehung, durch die er uns gerecht macht [Vgl. Röm 4,25] (Vgl. dazu auch 606, 115).

532 In seiner Unterordnung unter seine Mutter und seinen Pflegevater erfüllte Jesus das vierte Gebot voll und ganz. Sie war das irdische Bild seines Sohnesgehorsams gegenüber seinem himmlischen Vater. Die alltägliche Unterwerfung Jesu unter Josef und Maria kündigte seine Unterwerfung am Gründonnerstag an und nahm sie vorweg: „Nicht mein Wille ...“ (Lk 22,42). Mit dem Gehorsam Christi im Alltag des verborgenen Lebens begann schon die Wiederherstellung dessen, was der Ungehorsam Adams zerstört hatte [Vgl. Röm 5,19] (Vgl. dazu auch 2214–2220, 612).

539 Die Evangelisten weisen auf die Heilsbedeutung dieses geheimnisvollen Geschehens hin. Jesus ist der neue Adam, der treu bleibt, während der erste Adam der Versuchung erlag. Jesus erfüllt die Sendung Israels vollkommen. Im Gegensatz zu denen, die einst in der Wüste vierzig Jahre lang Gott herausforderten [Vgl. Ps 95,10], erweist sich Christus als der Gottesknecht, der dem Willen Gottes gänzlich gehorsam ist. So ist Jesus Sieger über den Teufel: er hat „den Starken gefesselt“, um ihm seine Beute wieder zu entreißen [Vgl. Mk 3,27]. Der Sieg Jesu über den Versucher in der Wüste nimmt den Sieg der Passion vorweg, den höchsten Gehorsamserweis seiner Sohnesliebe zum Vater (Vgl. dazu auch 394, 518, 397, 385, 609).

612 Den Kelch des Neuen Bundes, den Jesus in seiner Darbringung beim Abendmahl vorweggenommen hatte [Vgl. Lk 22,20], nahm er in seiner Todesangst in Getsemani aus den Händen des Vaters entgegen [Vgl. Mt 26,42], indem er „gehorsam war bis zum Tod“ (Phil 2,8) [Vgl. Hebr 5,7–8]. Jesus betet: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber (Mt 26,39). Er äußert so den Abscheu, den seine menschliche Natur vor dem Tod empfindet. Wie unsere Natur ist die seine ja zum ewigen Leben bestimmt; aber im Unterschied zu der unseren ist sie völlig frei von Sünde [Vgl. Hebr 4,15], die den Tod nach sich zieht [Vgl. Röm 5,12]; vor allem aber ist sie in die göttliche Person des „Urhebers des Lebens“ (Apg 3,15), des „Lebendigen“ (Offb 1, 18) [Vgl. Joh 1,4; 5,26] aufgenommen. Mit seinem menschlichen Willen stimmt er zu, dass der Wille des Vaters geschieht [Vgl. Mt 26,42], und nimmt so den Tod als Erlösungstod an, um „unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz zu tragen“ (1 Petr 2,24)(Vgl. dazu auch 532, 2600, 1009).

614 Dieses Opfer Christi ist einmalig; es vollendet und überholt alle Opfer [Vgl. Hebr 10,10].Es ist zunächst eine Gabe Gottes des Vaters selbst: Der Vater gibt seinen Sohn dahin, um uns mit sich zu versöhnen [Vgl. 1 Joh 4,10]. Gleichzeitig ist es eine Opfergabe des menschgewordenen Gottessohnes, der aus freiem Willen und aus Liebe [Vgl. Joh 15,13] im Heiligen Geist [Vgl. Hebr 9,14] sein Leben [Vgl. Joh 10, 17–18] seinem Vater darbringt, um unseren Ungehorsam zu sühnen (Vgl. dazu auch 529, 1330, 2100).

Jesus setzt seinen Gehorsam an die Stelle unseres Ungehorsams

615 „Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden“ (Röm 5,19). Durch seinen Gehorsam bis zum Tod wurde Jesus zum leidenden Gottesknecht, der stellvertretend „sein Leben als Sühnopfer hingab“, „die Sünden von vielen trug“ und so „die vielen gerecht macht“, indem er „ihre Schuld auf sich lädt“ (Jes 53,10–12). Jesus hat unsere Sünden wiedergutgemacht und Gott dem Vater für sie Genugtuung geleistet [Vgl. K. v. Trient: DS 1529] (Vgl. dazu auch 1850, 433, 411).

801 In diesem Sinn ist es stets notwendig, die Charismen zu prüfen. Kein Charisma enthebt der Pflicht, die Hirten der Kirche zu ehren und ihnen zu gehorchen, da es ihnen „in besonderer Weise zukommt, den Geist nicht auszulöschen, sondern alles zu prüfen und, was gut ist, zu behalten“ (LG 12). Alle Charismen, die in ihrer Verschiedenheit einander ergänzen, sollen so zusammenwirken, dass „sie anderen nützen“ (1 Kor 12,7) [Vgl. LG 30; CL 24] (Vgl. dazu auch 894, 1905).

852 Die Wege der Mission. „Der Heilige Geist ist wahrlich die Hauptperson für die ganze kirchliche Sendung“ (RM 21). Er führt die Kirche auf die Missionswege. Sie „setzt die Sendung Christi selbst fort, der den Armen die frohe Botschaft zu bringen gesandt war, und entfaltet sie die Geschichte hindurch. Deshalb muß sie unter Führung des Geistes Christi denselben Weg gehen, den Christus gegangen ist, nämlich den Weg der Armut, des Gehorsams, des Dienens und des Selbstopfers bis zum Tode hin, aus dem er dann durch seine Auferstehung als Sieger hervorging“ (AG 5). „Das Blut der Christen ist ein Same“ (Tertullian, apol. 50) (Vgl. dazu auch 2044, 2473).

891 „Dieser Unfehlbarkeit ... erfreut sich der Römische Bischof, das Haupt des Kollegiums der Bischöfe, kraft seines Amtes, wenn er als oberster Hirt und Lehrer aller Christgläubigen, der seine Brüder im Glauben stärkt, eine Lehre über den Glauben oder die Sitten in einem endgültigen Akt verkündet ... Die der Kirche verheißene Unfehlbarkeit wohnt auch der Körperschaft der Bischöfe inne, wenn sie das oberste Lehramt zusammen mit dem Nachfolger des Petrus ausübt“, vor allem auf einem Ökumenischen Konzil (LG 25) [Vgl. 1. Vatikanisches K.: DS 3074]. Wenn die Kirche durch ihr oberstes Lehramt etwas „als von Gott geoffenbart“ und als Lehre Christi „zu glauben vorlegt“ (DV 10), müssen die Gläubigen „solchen Definitionen mit Glaubensgehorsam anhangen“ (LG 25). Diese Unfehlbarkeit reicht so weit wie die Hinterlassenschaft der göttlichen Offenbarung [Vgl. LG 25].

892 Der göttliche Beistand wird den Nachfolgern der Apostel, die in Gemeinschaft mit dem Nachfolger des Petrus lehren, und insbesondere dem Bischof von Rom, dem Hirten der ganzen Kirche, auch dann geschenkt, wenn sie zwar keine unfehlbare Definition vornehmen und sich nicht endgültig äußern, aber bei der Ausübung des ordentlichen Lehramtes eine Lehre vorlegen, die zu einem besseren Verständnis der Offenbarung in Fragen des Glaubens und der Sitten führt. Diesen authentischen Lehren müssen die Gläubigen „religiösen Gehorsam des Willens und des Verstandes ... leisten“ (LG 25), der sich zwar von der Glaubenszustimmung unterscheidet, sie aber unterstützt.

908 Durch seinen Gehorsam bis zum Tod [Vgl. Phil 2,8–9] hat Christus seinen Jüngern die Gabe der königlichen Freiheit geschenkt, damit sie „durch Selbstverleugnung und ein heiliges Leben das Reich der Sünde in sich selbst völlig überwinden“ (LG36) (Vgl. dazu auch 786).

915 Die evangelischen Räte werden in ihrer Vielfalt jedem Jünger Christi empfohlen. Die vollkommene Liebe, zu der alle Gläubigen berufen sind, bringt für jene, die den Ruf zum geweihten Leben frei annehmen, die Verpflichtung mit sich, die Keuschheit in Ehelosigkeit um des Reiches Gottes willen, und in Armut und Gehorsam zu leben. Das Gelübde dieser Räte in einem von der Kirche anerkannten dauernden Lebensstand kennzeichnet das gottgeweihte Leben [Vgl. LG 42–43; PC 1] (Vgl. dazu auch 1973–1974).

1009 Der Tod ist durch Christus umgewandelt worden. Auch Jesus, der Sohn Gottes, hat den Tod, der zum menschlichen Dasein gehört, erlitten. Obwohl er vor ihm zurückschreckte [Vgl. Mk 14,33–34; Hebr 5,7–8], nahm er ihn in völliger und freier Unterwerfung unter den Willen seines Vaters auf sich. Der Gehorsam Jesu hat den Fluch, der auf dem Tod lag, in Segen verwandelt [Vgl. Röm 5,19–21] (Vgl. dazu auch 612).

1011 Im Tod ruft Gott den Menschen zu sich. Darum kann sich der Christ ähnlich wie Paulus nach dem Tod sehnen: „Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein“ (Phil 1,23). Und er kann, nach dem Beispiel Christi, seinen Tod zu einem Akt des Gehorsams und der Liebe zum Vater machen [Vgl. Lk 23,46] (Vgl. dazu auch 1025).

1125 Darum darf kein sakramentaler Ritus nach dem Belieben des Amtsträgers oder der Gemeinde abgeändert oder manipuliert werden. Selbst die höchste Autorität in der Kirche kann die Liturgie nicht nach Belieben ändern, sondern nur im Glaubensgehorsam und in Ehrfurcht vor dem Mysterium der Liturgie (Vgl. dazu auch 1205).

1269 Zu einem Glied der Kirche geworden, gehört der Getaufte nicht mehr sich selbst [Vgl. 1 Kor 6,19], sondern dem, der für uns gestorben und auferstanden ist [Vgl. 2 Kor 5,15]. Darum soll er sich in der Gemeinschaft der Kirche den anderen unterordnen [Vgl. Eph 5,21; 1 Kor 16,15–16], ihnen dienen [Vgl. Joh 13,12–15], und den Vorstehern der Kirche gehorchen, sich ihnen unterordnen [Vgl. Hebr 13,17], sie anerkennen und hochachten [Vgl. 1 Thess 5,12–13]. Wie sich aus der Taufe Verantwortungen und Pflichten ergeben, so besitzt der Getaufte in der Kirche auch Rechte: das Recht, die Sakramente zu empfangen, durch das Wort Gottes gestärkt und durch die weiteren geistlichen Hilfeleistungen der Kirche unterstützt zu werden [Vgl. LG 37; CIC. cann. 208–223; CCEO, can. 675,2] (Vgl. dazu auch 871).

1567 „Die Priester bilden, als vorsorgende Mitarbeiter des bischöflichen Standes und als dessen Hilfe und Werkzeug, zum Dienst am Volk Gottes gerufen, zusammen mit ihrem Bischof ein einziges Presbyterium, dem freilich verschiedene Pflichten aufgetragen sind. In den einzelnen örtlichen Gemeinden der Gläubigen machen sie den Bischof, mit dem sie in vertrauensvoller und hochherziger Gesinnung verbunden sind, gewissermaßen gegenwärtig, nehmen entsprechend ihrem Anteil seine Aufgaben und seine Sorgen auf sich und stellen sich täglich in ihren Dienst“ (LG 28). Die Priester dürfen ihren Dienst nur in Abhängigkeit vom Bischof und in Gemeinschaft mit ihm ausüben. Das Gehorsamsversprechen, das sie bei der Weihe dem Bischof geben, und der Friedenskuß des Bischofs am Schluss der Weiheliturgie sind ein Zeichen dafür, dass der Bischof sie als seine Mitarbeiter, seine Söhne, seine Brüder und seine Freunde ansieht, und dass sie ihm dafür Liebe und Gehorsam schulden (Vgl. dazu auch 1462, 2179).

1706 Durch seine Vernunft vernimmt der Mensch die Stimme Gottes, die ihn drängt, „das Gute zu lieben und zu tun und das Böse zu meiden“ (GS 16). Jeder Mensch ist zum Gehorsam gegenüber diesem Gesetz verpflichtet, das im Gewissen ertönt und in der Liebe zu Gott und zum Nächsten erfüllt wird. Im sittlichen Handeln zeigt sich die Würde des Menschen (Vgl. dazu auch 1776).

1713 Der Mensch ist verpflichtet, dem natürlichen Sittengesetz zu gehorchen, das ihn anhält, „das Gute zu lieben und zu tun und das Böse zu meiden“ (GS 16). Dieses Gesetz ertönt in seinem Gewissen.

1733 Je mehr man das Gute tut, desto freier wird man. Wahre Freiheit gibt es nur im Dienst des Guten und der Gerechtigkeit. Die Entscheidung zum Ungehorsam und zum Bösen ist ein Missbrauch der Freiheit und macht zum Sklaven der Sünde [Vgl. Röm 6,17] (Vgl. dazu auch 1803).

1776 „Im Innersten seines Gewissens entdeckt der Mensch ein Gesetz, das er sich nicht selbst gibt, sondern dem er gehorchen muss und dessen Stimme ihn immer anruft, das Gute zu lieben und zu tun und das Böse zu meiden und so, wo nötig, in den Ohren des Herzens tönt ... Denn der Mensch hat ein Gesetz, das von Gott seinem Herzen eingeschrieben ist, dem zu gehorchen eben seine Würde ist... Und das Gewissen ist der verborgenste Kern und das Heiligtum des Menschen, in dem er allein ist mit Gott, dessen Stimme in seinem Innersten widerhallt“ (GS 16) (Vgl. dazu auch 1954).

1809 „Ein gutes Leben führen ist nichts anderes, als Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aus ganzem Sinn zu lieben. Man bewahrt ihm (durch die Mäßigung) eine ganze Liebe, die kein Unglück erschüttern kann (was Sache der Tapferkeit ist), die einzig ihm gehorcht (das ist die Gerechtigkeit) und die wachsam ist, um alle Dinge zu besehen aus Angst, man könnte sich von List und Lüge überraschen lassen (und das ist Klugheit)“ (Augustinus, mor. eccl. 1,25,46).

1828 „Entweder wenden wir uns vom Bösen ab aus Furcht vor Bestrafung, und dann verhalten wir uns wie ein Sklave. Oder wir sind auf den Vorteil der Belohnung bedacht und erfüllen die Gebote, weil daraus Vorteil entspringt; dann gleichen wir den Tagelöhnern. Oder wir gehorchen um des Guten selbst willen und aus Liebe zu dem, der uns das Gesetz gegeben hat ... dann verhalten wir uns wie Söhne“ (Basilius, reg. fus. prol. 3).

1831 Die sieben Gaben des Heiligen Geistes sind: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht. In ihrer ganzen Fülle stehen sie Christus, dem Sohn Davids, zu [Vgl. Jes 11, 1–2]. Sie vervollständigen und vervollkommnen die Tugenden derer, die sie empfangen. Sie machen die Gläubigen bereit, den göttlichen Eingebungen willig zu gehorchen (Vgl. dazu auch 1266, 1299).

1850 Die Sünde ist eine Beleidigung Gottes: „Gegen dich allein habe ich gesündigt, ich habe getan, was dir missfällt“ (Ps 51,6). Die Sünde lehnt sich gegen die Liebe Gottes zu uns auf und wendet unsere Herzen von ihm ab. Wie die Ursünde ist sie ein Ungehorsam, eine Auflehnung gegen Gott durch den Willen, „wie Gott“ zu werden und dadurch Gut und Böse zu erkennen und zu bestimmen (Gen 3,5). Die Sünde ist somit „die bis zur Verachtung Gottes gesteigerte Selbstliebe“ (Augustinus, civ. 14,28). Die Sünde ist wegen dieser stolzen Überheblichkeit dem Gehorsam Jesu [Vgl. Phil 2,6–9], der das Heil wirkt, völlig entgegengesetzt (Vgl. dazu auch 1440, 397, 615).

1897 „Die menschliche Gesellschaft kann weder gut geordnet noch fruchtbar sein, wenn es in ihr niemanden gibt, der mit rechtmäßiger Autorität die Ordnung aufrecht erhält und mit der notwendigen Sorgfalt auf das allgemeine Wohl bedacht ist“ (PT 46) (Vgl. dazu auch 2234).

Als „Autorität“ bezeichnet man die Eigenschaft von Personen oder Institutionen, aufgrund derer sie den Menschen Gesetze und Befehle geben und von ihnen Gehorsam erwarten können.

1898 Jede menschliche Gemeinschaft bedarf einer Autorität, von der sie geleitet wird [Vgl. Leo XIII., Enz. „Immortale Dei“; Enz. „Diuturnum illud“]. Diese hat ihre Grundlage in der menschlichen Natur. Sie ist für die Einheit des Gemeinwesens notwendig. Ihre Aufgabe ist es, soweit wie möglich das Gemeinwohl der Gesellschaft zu gewährleisten.

1899 Die von der sittlichen Ordnung geforderte Autorität geht von Gott aus: „Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen“ (Röm 13, 1–2) (Vgl. dazu auch 2235).

1900 Die Gehorsamspflicht verlangt von allen, der Autorität die ihr gebührende Ehre zu erweisen und die Personen, die ein Amt ausüben, zu achten und ihnen – je nach Verdienst – Dankbarkeit und Wohlwollen entgegenzubringen (Vgl. dazu auch 2238).

1930 Zur Achtung der menschlichen Person gehört auch die Achtung der Rechte, die sich aus ihrer Würde als Geschöpf ergeben. Diese Rechte leiten sich nicht von der Gesellschaft ab und sind von ihr anzuerkennen. Sie bilden die Grundlage für die sittliche Berechtigung jeder Autorität. Eine Gesellschaft, die diese Rechte mit Füßen tritt oder sich weigert, sie in ihrer positiven Gesetzgebung anzuerkennen, untergräbt ihre eigene sittliche Rechtmäßigkeit [Vgl. PT 65]. Wenn eine Autorität die Person nicht achtet, kann sie sich nur auf Macht oder Gewalt stützen, um ihre Untergebenen zum Gehorsam zu bringen. Die Kirche muss die Menschen guten Willens an diese Rechte erinnern und diese von missbräuchlichen oder falschen Forderungen unterscheiden (Vgl. dazu auch 1700, 1902).

2053 Dieser ersten Antwort wird noch eine zweite hinzugefügt: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann aber komm und folge mir nach!“ (Mt 19,21). Dies hebt die erste Antwort nicht auf. Es gehört zur Nachfolge Christi, dass man die Gebote hält. Das Gesetz wird nicht abgeschafft [Vgl. Mt 5,17], sondern der Christ wird aufgefordert, es in der Person seines Meisters wiederzufinden, der dessen vollkommene Erfüllung ist. Die Aufforderung Jesu an den jungen Mann, ihm im Gehorsam eines Jüngers und im Beobachten der Gebote nachzufolgen, ist in den drei synoptischen Evangelien mit der Aufforderung zu Armut und Keuschheit verbunden [Vgl. Mt 19,6–12.21.23–29]. Die evangelischen Räte sind von den Geboten nicht zu trennen (Vgl. dazu auch 1968, 1973).

2060 Die Gabe der Gebote und des Gesetzes ist Bestandteil des Bundes, den Gott mit den Seinen geschlossen hat. Dem Buch Exodus zufolge ergeht die Offenbarung der „zehn Worte“ in der Zeit zwischen dem Bundesangebot [Vgl. Ex 19] und dem Bundesschluss [Vgl. Ex 24], nachdem sich das Volk verpflichtet hat, alles zu „tun“, was der Herr gesagt hatte, und ihm zu „gehorchen“ (Ex 24,7). Der Dekalog wird erst überliefert, wenn zuvor an den Bund erinnert worden ist („Der Herr, unser Gott, hat am Horeb einen Bund mit uns geschlossen“: Dtn 5,2) (Vgl. dazu auch 62).

2072 Weil die zehn Gebote die Grundpflichten des Menschen gegenüber Gott und dem Nächsten zum Ausdruck bringen, sind sie ihrem Wesen nach schwerwiegende Verpflichtungen. Sie sind unveränderlich, sie gelten immer und überall. Niemand kann von ihnen dispensieren. Gott hat die zehn Gebote in das Herz des Menschen geschrieben (Vgl. dazu auch 1858, 1958).

2073 Die Gehorsamspflicht gegenüber den Geboten erstreckt sich auch auf Verpflichtungen, die der Sache nach weniger schwer wiegen. So wird z. B. durch das fünfte Gebot untersagt, einander durch Worte zu verletzen, was nur aufgrund der Umstände oder der Absicht dessen, der die Beleidigung ausspricht, ein schwerwiegendes Vergehen sein kann.

„Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“

2081 Die zehn Gebote sprechen ihrem Wesen nach schwerwiegende Verpflichtungen aus. Der Gehorsam gegenüber diesen Geboten umfasst jedoch auch der Sache nach weniger schwerwiegende Pflichten.

2087 Unser sittliches Leben wurzelt im Glauben an Gott, der uns seine Liebe offenbart. Der hl. Paulus spricht vom „Gehorsam des Glaubens“ (Röm 1,5; 16,26) als der ersten Pflicht. Im „Verkennen“ Gottes sieht er den Grund und die Erklärung für alle sittlichen Verfehlungen [Vgl. Röm 1,18–32] Wir haben Gott gegenüber die Pflicht, an ihn zu glauben und ihn zu bezeugen (Vgl. dazu auch 143).

2103 Den Gelübden, den evangelischen Räten entsprechend zu leben, erkennt die Kirche einen beispielgebenden Wert zu [Vgl. CIC. can. 654] (Vgl. dazu auch 1973).

„Deshalb freut sich die Mutter Kirche darüber, dass sich in ihrem Schoß viele Männer und Frauen finden, die die Entäußerung des Erlösers nachdrücklicher befolgen und deutlicher erweisen, indem sie die Armut in der Freiheit der Kinder Gottes übernehmen und auf den Eigenwillen verzichten, das heißt, sie unterwerfen sich einem Menschen um Gottes willen hinsichtlich der Vollkommenheit über das Maß des Gebotes hinaus, um sich dem gehorsamen Christus mehr gleichzugestalten“ (LG 42). (Vgl. dazu auch 914)

ARTIKEL 4: DAS VIERTE GEBOT

„Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt“ (Ex 20,12).

„Er ... war ihnen gehorsam“ (Lk 2,51).

Jesus selbst hat an die Geltung dieses „Gebotes Gottes“ erinnert [Vgl. Mk 7,8–13]. Der Apostel lehrt: „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, wie es vor dem Herrn recht ist. Ehre deinen Vater und deine Mutter: Das ist ein Hauptgebot, und ihm folgt die Verheißung: damit es dir gut geht und du lange lebst auf der Erde“ (Eph 6, l–3) [Vgl. Dtn 5,16].

2216 Die Kindesliebe zeigt sich in Folgsamkeit und wahrem Gehorsam. „Achte, mein Sohn, auf das Gebot deines Vaters, missachte nicht die Lehre deiner Mutter! ... Wenn du gehst, geleitet sie dich, wenn du ruhst, behütet sie dich, beim Erwachen redet sie mit dir“ (Spr 6,20–22). „Ein weiser Sohn ist die Frucht der Erziehung des Vaters, der zuchtlose aber hört nicht auf die Mahnung“ (Spr 13,1) (Vgl. dazu auch 532).

2217 Solange das Kind bei den Eltern wohnt, muss es jeder Aufforderung der Eltern gehorchen, die seinem eigenen Wohl oder dem der Familie dient. „Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem; denn so ist es gut und recht im Herrn“ (Kol 3,20) [Vgl. Eph 6,1]. Die Kinder haben auch den vernünftigen Vorschriften ihrer Erzieher und all derer zu gehorchen, denen sie von den Eltern anvertraut wurden. Falls jedoch das Kind im Gewissen überzeugt ist, dass es unsittlich wäre, einem bestimmten Befehl zu gehorchen, soll es ihm nicht Folge leisten.

Auch wenn sie größer werden, sollen die Kinder ihre Eltern weiterhin achten. Sie sollen ihren Wünschen zuvorkommen, ihren Rat suchen und ihre gerechtfertigten Ermahnungen annehmen. Die Pflicht, den Eltern zu gehorchen, hört mit der Volljährigkeit der Kinder auf, doch schulden sie ihnen für immer Achtung. Diese wurzelt in der Gottesfurcht, einer der Gaben des Heiligen Geistes (Vgl. dazu auch 1831).

2222 Die Eltern sollen ihre Kinder als Kinder Gottes ansehen und sie als menschliche Personen achten. Sie erziehen ihre Kinder dazu, das Gesetz Gottes zu erfüllen, indem sie selbst gegenüber dem Willen des Vaters im Himmel gehorsam sind (Vgl. dazu auch 494).

2239 Pflicht der Bürger ist es, gemeinsam mit den Behörden im Geist der Wahrheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Freiheit zum Wohl der Gesellschaft beizutragen. Die Heimatliebe und der Einsatz für das Vaterland sind Dankespflichten und entsprechen der Ordnung der Liebe. Gehorsam gegenüber den rechtmäßigen Autoritäten und Einsatzbereitschaft für das Gemeinwohl verlangen von den Bürgern, ihre Aufgabe im Leben der staatlichen Gemeinschaft zu erfüllen (Vgl. dazu auch 1915, 2310).

2240 Der Gehorsam gegenüber der Autorität und die Mitverantwortung für das Gemeinwohl machen es zu einer sittlichen Pflicht, Steuern zu zahlen, das Stimmrecht auszuüben und das Land zu verteidigen (Vgl. dazu auch 2265).

„Gebt allen, was ihr ihnen schuldig seid, sei es Steuer oder Zoll, sei es Furcht oder Ehre“ (Röm 13,7).

Die Christen „bewohnen das eigene Vaterland, aber wie seßhafte Fremde. Sie nehmen an allem teil wie Bürger, und sie ertragen alles wie Fremde ... Sie gehorchen den erlassenen Gesetzen, und mit der ihnen eigenen Lebensweise überbieten sie die Gesetze ... Auf einen so wichtigen Posten hat Gott sie gestellt, dem sich zu entziehen ihnen nicht erlaubt ist“ (Diognet 5,5.10; 6,10).

Paulus fordert uns auf, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, zu beten und dankzusagen, „damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können“ (1 Tim 2,2) (Vgl. dazu auch 1900).

2241 Die wohlhabenderen Nationen sind verpflichtet, so weit es ihnen irgend möglich ist, Ausländer aufzunehmen, die auf der Suche nach Sicherheit und Lebensmöglichkeiten sind, die sie in ihrem Herkunftsland nicht finden können. Die öffentlichen Autoritäten sollen für die Achtung des Naturrechts sorgen, das den Gast unter den Schutz derer stellt, die ihn aufnehmen.

Die politischen Autoritäten dürfen im Hinblick auf das Gemeinwohl, für das sie verantwortlich sind, die Ausübung des Einwanderungsrechtes verschiedenen gesetzlichen Bedingungen unterstellen und verlangen, dass die Einwanderer ihren Verpflichtungen gegenüber dem Gastland nachkommen. Der Einwanderer ist verpflichtet, das materielle und geistige Erbe seines Gastlandes dankbar zu achten, dessen Gesetzen zu gehorchen und die Lasten mitzutragen (Vgl. dazu auch 2237).

2242 Der Bürger hat die Gewissenspflicht, die Vorschriften der staatlichen Autoritäten nicht zu befolgen, wenn diese Anordnungen den Forderungen der sittlichen Ordnung, den Grundrechten des Menschen oder den Weisungen des Evangeliums widersprechen. Den staatlichen Autoritäten den Gehorsam zu verweigern, falls deren Forderungen dem rechten Gewissen widersprechen, findet seine Rechtfertigung in der Unterscheidung zwischen dem Dienst Gottes und dem Dienst an der staatlichen Gemeinschaft. „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (Mt 22,21). „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29) (Vgl. dazu auch 1903, 2313, 450).

„Wo ... die Staatsbürger von einer öffentlichen Gewalt, die ihre Zuständigkeit überschreitet, bedrückt werden, sollen sie sich nicht weigern, das zu tun, was das Gemeinwohl objektiv verlangt. Sie haben jedoch das Recht, ihre und ihrer Mitbürger Rechte gegen den Missbrauch der staatlichen Autorität zu verteidigen, freilich innerhalb der Grenzen des Naturrechts und des Evangeliums“ (GS 74,5) (Vgl. dazu auch 1901).

2251 Die Kinder schulden ihren Eltern Achtung, Dankbarkeit, gebührenden Gehorsam und Hilfsbereitschaft. Die Ehrfurcht vor den Eltern fördert die Harmonie des ganzen Familienlebens.

2313 Die Zivilbevölkerung, die verwundeten Soldaten und die Kriegsgefangenen sind zu achten und mit Menschlichkeit zu behandeln.

Handlungen, die mit Wissen und Willen gegen das Völkerrecht und seine allgemeingültigen Grundsätze verübt werden, sowie Befehle, solche Handlungen auszuführen, sind Verbrechen. Blinder Gehorsam ist kein ausreichender Entschuldigungsgrund für jene, die sich solchen Befehlen fügen. So ist die Ausrottung eines Volkes, einer Nation oder einer ethnischen Minderheit als eine Todsünde zu verurteilen. Man ist sittlich verpflichtet, sich Befehlen, die einen Völkermord anordnen, zu widersetzen (Vgl. dazu auch 2242).

2340 Wer seinem Taufversprechen treu bleiben und den Versuchungen widerstehen will, soll darauf bedacht sein, die Mittel dazu zu ergreifen: Selbsterkenntnis, den jeweiligen Situationen angepaßten Verzicht, Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes, Übung der sittlichen Tugenden und Treue im Gebet. „Durch die Keuschheit werden wir gesammelt und zu der Einheit zurückgeführt, von der wir uns getrennt hatten, um in der Vielheit zu zerfließen“ (Augustinus, conf. 10,29) (Vgl. dazu auch 2015).

2515 Seiner etymologischen Bedeutung nach kann das Wort „Begierde“ jede heftige Form des menschlichen Verlangens bezeichnen. Die christliche Theologie versteht darunter eine Regung des sinnlichen Strebevermögens, die sich der menschlichen Vernunft widersetzt. Der hl. Apostel Paulus gebraucht das Wort für das Aufbegehren des „Fleisches“ wider den „Geist“ [Vgl. Gal 5,16.17.24; Eph 2,3]. Die Begierde entstammt dem Ungehorsam der ersten Sünde [Vgl. Gen 3,11]. Auch wenn die Begierde selbst keine Verfehlung ist, stört sie doch die Ordnung der sittlichen Kräfte des Menschen und macht diesen geneigt, Sünden zu begehen [Vgl. K. v. Trient DS 1515] (Vgl. dazu auch 405).

2518 Die sechste Seligpreisung verkündet: „Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen“ (Mt 5,8). Ein „reines Herz“ haben jene, die ihren Verstand und ihren Willen mit den Forderungen der Heiligkeit Gottes in Einklang gebracht haben, vor allem in drei Bereichen: in dem der christlichen Liebe [Vgl. 1 Tim 4,3–9; 2 Tim 2,22], dem der Keuschheit oder geschlechtlichen Lauterkeit [Vgl. 1 Thess 4,7; Kol 3,5; Eph 4,19], und in dem der Wahrheitsliebe und der Rechtgläubigkeit [Vgl. Tit 1,15; 1 Tim 1,3–4; 2 Tim 2,23–26]. Die Reinheit des Herzens, des Leibes und des Glaubens stehen miteinander in Verbindung (Vgl. dazu auch 94).

Die Christen müssen die Artikel des Symbolum glauben, „damit. sie als Glaubende Gott gehorchen; als Gehorchende sittlich gut leben; als sittlich gut Lebende ihr Herz läutern, und als ihr Herz Läuternde das, was sie glauben, erfassen“ (Augustinus, fid. et symb. 10,25) (Vgl. dazu auch 158).

2570 Als Gott Abraham ruft, bricht dieser sogleich auf, „wie der Herr ihm gesagt hatte“ (Gen 12,4). Sein Herz ist „dem Wort ganz gefügig“; er gehorcht. Das Horchen des Herzens, das sich für Gott entscheidet, gehört wesentlich zum Gebet. Die Worte stehen im Dienst dieses Hörens. Doch das Gebet Abrahams äußert sich zunächst in Taten: Er ist ein Mann des Schweigens; überall, wo er sich niederläßt, errichtet er dem Herrn einen Altar. Später faßt er erstmals sein Gebet in Worte: Es ist eine verhüllte Klage. Sie erinnert Gott an seine Verheißungen, die sich nicht zu erfüllen scheinen [Vgl. Gen 15,2–3]. Gleich zu Beginn zeigt sich somit eine Eigenart des Betens: die Prüfung des Glaubens an die Treue Gottes (Vgl. dazu auch 145).

2606 In diesem Schrei des menschgewordenen Wortes liegt alles Elend der Menschen aller Zeiten, von Sünde und Tod geknechtet, und jede Bitte und Fürbitte der Heilsgeschichte. Der Vater nimmt sie alle an und erhört sie in einer Weise, die über alle menschliche Hoffnung hinausgeht, durch die Auferweckung seines Sohnes. Darin erfüllt und vollendet sich der Weg des Gebetes in der Schöpfungs- und der Erlösungsordnung. In Christus erschließt uns das Buch der Psalmen das Gebet. Denn im „Heute“ der Auferstehung spricht der Vater: „Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt. Fordere von mir, und ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum“ (Ps 2,7–8) [Vgl. Apg 13,33] (Vgl. dazu auch 403, 653, 2587).

Der Hebräerbrief bringt dramatisch zum Ausdruck, wie das Gebet Jesu den Sieg des Heils bewirkt: „Als er auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden. Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden“ (Hebr 5,7–9).

2716 Das innere Gebet ist Hören auf das Wort Gottes. Dieses Hören ist keineswegs untätig, sondern ist ein Gehorchen des Glaubens, ein bedingungsloses Empfangen des Knechtes und liebendes Einwilligen des Kindes. Es nimmt teil am „Ja“ des Sohnes, der Knecht geworden ist, und am „Fiat“ der demütigen Magd des Herrn (Vgl. dazu auch 494).

2825 Jesus hat, „obwohl er der Sohn war ... durch Leiden den Gehorsam gelernt“ (Hebr 5,8). Wieviel mehr gilt das für uns Geschöpfe und Sünder, die in Jesus an Kindes Statt angenommen wurden! Wir bitten unseren Vater, unseren Willen mit dem seines Sohnes zu vereinen, damit wir seinen Willen, den Ratschluss des Heiles für das Leben der Welt, erfüllen. Aus uns selbst sind wir dazu völlig unfähig, aber mit Jesus vereint und mit der Kraft seines Heiligen Geistes können wir dem Vater unseren Willen übergeben und uns zu dem entschließen, wozu sich der Sohn stets entschieden hat: Das zu tun, was dem Vater gefällt [Vgl. Joh 8,29] (Vgl. dazu auch 615).