2024.11.10 Kommentar
Vertrauen und Opferbereitschaft
Die heutigen Lesungen in der katholischen Kirche thematisieren die zentrale Bedeutung von Vertrauen in Gott und wahrer Opferbereitschaft und verdeutlichen, wie Glaube und Hingabe im Leben der Gläubigen verwirklicht werden sollen.
1 Könige 17,10-16
In dieser Lesung wird die Begegnung des Propheten Elija mit einer armen Witwe geschildert. Trotz ihrer eigenen Not und der drohenden Hungersnot vertraut die Witwe auf Gott und teilt das wenige Mehl und Öl, das sie besitzt, mit Elija. Ihre Bereitschaft, ihr letztes Brot zu geben, wird von Gott gesegnet: Das Mehl und das Öl versiegen nicht, bis der Regen zurückkehrt. Diese Geschichte illustriert tiefes Vertrauen in Gottes Versorgung und die Bereitschaft, selbst in schwierigen Zeiten zu geben.
Psalm 146 (145),6-7.8-9a.9b-10 (R: 1)
Der Psalmist preist Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde, der ewig treu ist. Er betont Gottes Fürsorge für die Unterdrückten, Hungernden, Gefangenen, Blinden, Gebeugten, Gerechten, Fremden, Waisen und Witwen. Der Psalm unterstreicht, dass Gott gerecht handelt und die Frevler bestrafen wird. Diese Worte verstärken das Bild eines Gottes, der sich um seine Schöpfung kümmert und für diejenigen sorgt, die in Not sind.
Hebräerbrief 9,24-28
Der Hebräerbrief beschreibt Jesus Christus als den ewigen Hohepriester, dessen einmaliges Opfer die Sünden der Menschheit endgültig tilgt. Im Gegensatz zu den israelitischen Hohepriestern, die regelmäßig opfern mussten, opferte sich Christus ein einziges Mal im Himmel. Dieses Opfer bringt die endgültige Erlösung und bereitet den Weg für die Rettung aller, die an ihn glauben. Die Lesung betont die Vollkommenheit und Einzigartigkeit von Christi Opfer.
Markus 12,38-44
Im Evangelium beobachtet Jesus die Menschen beim Spenden in den Opferkasten. Während viele aus ihrem Überfluss geben, wirft eine arme Witwe zwei kleine Münzen ein. Jesus erklärt seinen Jüngern, dass diese Witwe mehr gegeben hat als alle anderen, da sie aus ihrer Armut und nicht ihrem Überfluss gegeben hat. Diese Geschichte verdeutlicht die wahre Bedeutung von Opferbereitschaft und den Wert des Gebens aus tiefstem Vertrauen und völliger Hingabe, unabhängig davon wie viel man hat.
Die Verbindung zwischen Vertrauen und Opferbereitschaft im Glaubensleben
"Man soll nie etwas Gutes, sei es noch so klein, aufschieben in der Hoffnung, in der Zukunft Größeres tun zu können." - Hl. Ignatius von Loyola
Dieser Gedanke passt zu den heutigen Lesungen: Wahres Vertrauen und Opferbereitschaft liegen im Hier und Jetzt, in der Bereitschaft, auch mit geringen Mitteln Gutes zu tun. Die Größe des Opfers ist für Gott nicht entscheidend, sondern vielmehr die Aufrichtigkeit, das Vertrauen und die innere Haltung dahinter. Die Geschichten der Witwe von Sarepta und der armen Witwe im Evangelium zeigen eindrucksvoll, dass Gott diejenigen ehrt, die aus wahrer Not und tiefem Vertrauen geben. Der Psalm betont Gottes beständige Fürsorge, während der Hebräerbrief die Vollendung der Erlösung durch Christi Opfer hervorhebt. Gemeinsam vermitteln diese Texte die Botschaft, dass wahres Vertrauen und völlige Hingabe nicht durch äußeren Reichtum oder formal gezeigte Frömmigkeit definiert werden, sondern durch die innere Bereitschaft, alles einzusetzen, selbst wenn es wenig ist. Sie rufen uns dazu auf, auf Gottes Treue zu vertrauen, ihm zu dienen und die Gewissheit zu haben, dass er für die Bedürftigen und Schwachen sorgt.
Die Eucharistie als höchste Ausdrucksform von Vertrauen und Opferbereitschaft
Jesus selbst betont diese Bereitschaft zum Opfer, als er sagt: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt." (Johannes 15,13). Dieser höchste Ausdruck der Liebe und des Vertrauens spiegelt sich in der Feier der Eucharistie wider. Das nicht versiegende Mehl und Öl der Witwe in Sarepta sind auch eine Vorausdeutung auf die Eucharistie, in der Jesus sich später als das „Brot des Lebens“ bezeichnet und den Gläubigen zur ständigen geistlichen Nahrung wird, die nie versiegt – "Unser tägliches Brot gib uns heute".
Die Eucharistie ist die höchste Ausdrucksform von Vertrauen und Opferbereitschaft. In ihr wird das eine, vollkommene Opfer Christi auf unblutige Weise gegenwärtig, das er ein für alle Mal dargebracht hat. Die Gläubigen stehen geistlich unter dem Kreuz auf Golgatha und werden in dieses ewige Opfer hineingenommen. So wird in jeder Eucharistiefeier das Opfer Christi in der Gegenwart der Gläubigen real präsent und erfahrbar, ohne dass Christus erneut geopfert werden muss. Diese mystische Teilhabe eröffnet uns den Zugang zur Fülle der göttlichen Gnade und lässt uns die lebendige Gegenwart des Erlösungswerks erfahren. Die Eucharistie ist damit nicht nur Erinnerung, sondern Vergegenwärtigung des Opfers, das alle Zeiten umfasst und uns immer wieder erneuert. So erfahren wir in jeder Eucharistiefeier die lebendige Gegenwart des Opfers, das für die Rettung aller vollbracht wurde.