Ministrieren
Dienen am Altar
„Ministrieren“ kommt vom lateinischen ministrare: dienen. Ministranten helfen dem Priester am Altar, tragen Kreuz, Kerzen und Weihrauch und sorgen dafür, dass die Messe würdig und ohne Hektik abläuft. Sie stehen dem Altar näher als alle anderen Gläubigen – und dienen dort Christus selbst.
Diese Seite zeigt zuerst, welche Rollen es gibt, und dann die ganze Messe Schritt für Schritt: was passiert und wer wann etwas tut. Beschrieben ist die Messe im ordentlichen Ritus nach der Grundordnung des Römischen Messbuchs. Wie viel davon in einer Pfarrei üblich ist, hängt von der Größe des Teams und vom Pfarrer ab – im Zweifel fragt man den Oberministranten.
Die Rollen
Nicht überall sind alle Rollen besetzt. Je größer das Fest, desto mehr Dienste gibt es. In kleinen Gemeinden übernimmt ein Ministrant oft mehrere Rollen.
| Rolle | Aufgabe | Wann im Einsatz |
|---|---|---|
| Oberministrant (Zeremoniar) | Leitet das Team, teilt die Dienste vor der Messe ein, gibt leise Zeichen und springt ein, wenn jemand fehlt. | Vor der Messe in der Sakristei. Währenddessen im Hintergrund. |
| Kreuzträger | Trägt das Vortragekreuz. Der Gekreuzigte zeigt nach vorn. Am Altar stellt er es an seinen Platz. | Einzug und Auszug. |
| Leuchterträger (zwei) | Tragen brennende Kerzen und gehen links und rechts vom Kreuz. Bei der Evangelienprozession begleiten sie den Priester zum Ambo. | Einzug, Evangelium, Auszug. Wo üblich auch bei der Wandlung. |
| Weihrauchträger (Thuriferar) | Trägt das Rauchfass und reicht es dem Priester, wenn er inzensiert (mit Weihrauch ehrt). | Feierliche Messen: Einzug, Evangelium, Gabenbereitung, Wandlung. |
| Schiffchenträger | Hält das Weihrauchschiffchen, aus dem der Priester Weihrauch auf die Kohle legt. Geht immer neben dem Weihrauchträger. | Immer dort, wo Weihrauch aufgelegt wird. |
| Buchträger (Messbuchdiener) | Hält dem Priester das Messbuch, wenn er am Sitz betet. Gibt Acht, dass er die richtige Seite hat. | Tagesgebet und Schlussgebet. |
| Altardiener | Bereitet den Altar, reicht Wasser und Wein (Kännchen), die Handwaschung, gibt das Schellenzeichen und hält die Kommunionpatene. | Gabenbereitung, Wandlung, Kommunion, Reinigung der Gefäße. |
Wie viele sind wir?
Typische Aufteilung, je nach Pfarrei verschieden:
| Anzahl | Aufteilung |
|---|---|
| 2 Ministranten | Einer hält das Buch und gibt die Schelle, der andere bringt Kännchen und Handwaschung. Kreuz und Leuchter entfallen oder werden in der Prozession geteilt. |
| 4 Ministranten | Kreuzträger und zwei Leuchterträger für die Prozessionen, dazu ein Altardiener für Buch, Kännchen und Schelle. |
| 6 bis 8 Ministranten | Oberministrant, Kreuz, zwei Leuchter, Buchträger, ein bis zwei Altardiener. An Festtagen zusätzlich Weihrauch- und Schiffchenträger. |
Die Messe Schritt für Schritt – wer tut wann was
Die Heilige Messe hat vier Teile: Eröffnung, Wortgottesdienst, Eucharistiefeier und Abschluss. Jede Tabelle hat eine Spalte pro Rolle. Wer heute eine bestimmte Rolle hat, liest einfach seine Spalte von oben nach unten. Die Spalte Alle Ministranten zeigt, was jeder tut: stehen, knien, antworten. Ein graues Feld heißt: In diesem Schritt hat die Rolle nichts Besonderes zu tun und macht bei „Alle Ministranten“ mit. Weihrauch- und Schiffchenträger gibt es nur bei feierlichen Messen. Der Oberministrant hat keine eigene Spalte, er steht hinter allen anderen und hilft, wo es fehlt. Zum Sinn der einzelnen Zeichen siehe Die Heilige Messe – Aufbau.
1. Eröffnung
| Schritt | Alle Ministranten | Kreuzträger | Leuchterträger | Weihrauchträger | Schiffchenträger | Buchträger | Altardiener |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einzug Priester und Dienste ziehen zum Altar. |
Am Altar Verbeugung, dann an den Platz | Geht in der Mitte zwischen den Leuchtern, stellt am Altar das Kreuz neben den Altar und geht an den Platz | Gehen links und rechts vom Kreuz, stellen am Altar die Leuchter ab und gehen an den Platz | Geht ganz vorn und schwenkt das Rauchfass. Am Altar wartet er seitlich vom Altar, das Rauchfass bleibt in der Hand | Geht neben dem Weihrauchträger und wartet mit ihm seitlich vom Altar | Geht mit den anderen | Geht mit den anderen |
| Altarverehrung Der Priester küsst den Altar, feierlich inzensiert er ihn. |
Stehen still | Reicht dem Priester das Rauchfass, nimmt es zurück, stellt es am Ständer ab und geht an den Platz | Bleibt neben dem Weihrauchträger, danach an den Platz. Das Schiffchen kommt auf den Kredenztisch | ||||
| Kreuzzeichen, Gruß, Bußakt, Kyrie Begrüßung und Schuldbekenntnis. |
Stehen, bekreuzigen sich, antworten. Beim „durch meine Schuld“ Faust an die Brust | ||||||
| Gloria Lobgesang an Sonn- und Festtagen. |
Stehen | ||||||
| Tagesgebet Der Priester betet am Sitz. |
Stehen | Tritt mit dem Messbuch vor den Priester und hält es |
2. Wortgottesdienst
| Schritt | Alle Ministranten | Kreuzträger | Leuchterträger | Weihrauchträger | Schiffchenträger | Buchträger | Altardiener |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Lesung, Antwortpsalm, zweite Lesung Der Lektor liest. |
Sitzen, zuhören, ruhig sein | ||||||
| Halleluja Der Priester legt Weihrauch ein und geht zum Ambo. |
Stehen auf | Gehen vor dem Priester zum Ambo | Legt mit dem Priester Weihrauch ein und geht mit dem Rauchfass vor den Leuchtern zum Ambo | Hält dem Priester das Schiffchen hin, wenn er Weihrauch einlegt. Danach zurück an den Platz | |||
| Evangelium Höhepunkt des Wortgottesdienstes. |
Stehen, Kreuzzeichen auf Stirn, Mund und Brust | Stehen links und rechts vom Ambo, mit Blick zum Priester. Danach gehen sie mit dem Weihrauchträger zurück | Steht seitlich vom Ambo hinter den Leuchtern. Reicht dem Priester das Rauchfass, er inzensiert das Buch. Dann zurück an den Platz und Rauchfass am Ständer abstellen | ||||
| Predigt Der Priester legt das Wort Gottes aus. |
Sitzen, zuhören | Stellen die Kerzen am Ständer oder am Platz ab und setzen sich | |||||
| Credo Glaubensbekenntnis. |
Stehen. Bei „und ist Mensch geworden“ tiefe Verbeugung (Weihnachten und Mariä Verkündigung Kniebeuge) | ||||||
| Fürbitten Gebet für Kirche und Welt. |
Stehen, mit der Gemeinde antworten |
3. Eucharistiefeier
| Schritt | Alle Ministranten | Kreuzträger | Leuchterträger | Weihrauchträger | Schiffchenträger | Buchträger | Altardiener |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gabenbereitung Der Altar wird gedeckt, Brot und Wein werden bereitet. |
Am Platz warten, bis sie gebraucht werden | Steht mit Rauchfass seitlich vom Altar. Reicht dem Priester das Rauchfass, danach inzensiert er Priester und Gemeinde. Dann zurück an den Platz | Steht neben dem Weihrauchträger und hält das Schiffchen hin, wenn der Priester Weihrauch einlegt. Danach an den Platz | Legt das Messbuch auf den Altar | Legt Korporale und Kelch auf den Altar, reicht die Kännchen mit Wasser und Wein, dann Handwaschung (Schale, Kännchen, Tuch) | ||
| Gabengebet Der Priester betet über den Gaben. |
Stehen | ||||||
| Präfation und Sanctus Danklied, dann „Heilig, heilig, heilig“. |
Stehen zur Präfation, knien zum Sanctus | Schellenzeichen zum Sanctus (wo üblich) | |||||
| Epiklese Der Priester ruft den Heiligen Geist auf die Gaben herab. |
Knien | Schellenzeichen (wo üblich) | |||||
| Wandlung Brot und Wein werden zu Leib und Blut Christi. |
Knien. Blick auf Hostie und Kelch, dann Kopf neigen | Knien und halten die Kerzen (wo üblich) | Kommt mit Rauchfass seitlich hinter den Altar und kniet dort. Inzensiert bei der Erhebung Hostie und Kelch, danach zurück an den Platz | Kommt vor der Wandlung mit dem Weihrauchträger, hält das Schiffchen hin, kniet neben ihm. Danach zurück an den Platz | Schellenzeichen bei der Erhebung von Hostie und Kelch | ||
| Doxologie „Durch ihn und mit ihm …“, großes Amen. |
Knien bis zum Amen | ||||||
| Vater unser, Friedensgruß Gebet des Herrn, dann Zeichen des Friedens. |
Stehen. Zum Friedensgruß reichen sie einander die Hände | ||||||
| Brotbrechen, Lamm Gottes Der Priester bricht die Hostie. |
Knien, wo es üblich ist, sonst stehen | ||||||
| Kommunion Der Priester empfängt, dann die Gemeinde. |
Empfangen die Kommunion nur, wenn sie im Stand der Gnade sind, sonst Arme vor der Brust verschränken (Segen). Dann zurück an den Platz | Hält die Kommunionpatene unter das Kinn (wo üblich) | |||||
| Reinigung Der Priester reinigt Kelch und Gefäße. |
Stille | Reicht das Wasser | |||||
| Schlussgebet Dank für das Empfangene. |
Stehen | Hält das Messbuch am Sitz |
4. Abschluss
| Schritt | Alle Ministranten | Kreuzträger | Leuchterträger | Weihrauchträger | Schiffchenträger | Buchträger | Altardiener |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Ankündigungen Hinweise für die Gemeinde. |
Sitzen oder stehen wie die Gemeinde | ||||||
| Segen und Entlassung „Gehet hin in Frieden.“ |
Stehen, beim Segen bekreuzigen. Bei „Dank sei Gott“ noch nicht losgehen | ||||||
| Auszug Priester und Dienste ziehen aus. |
Verbeugung. In der Sakristei: Verbeugung vor dem Kreuz, Kerzen löschen, aufräumen | Nimmt das Kreuz und geht voran | Nehmen die Leuchter, gehen links und rechts vom Kreuz | Nimmt das Rauchfass am Ständer und geht ganz vorn (falls Weihrauch) | Geht neben dem Weihrauchträger und wartet mit ihm seitlich vom Altar |
Haltung und Gesten
| Situation | Was man tut |
|---|---|
| Stehen | Aufrecht, Hände vor der Brust gefaltet, Blick zum Altar. |
| Sitzen | Gerade sitzen, Hände ruhig auf den Knien, nicht anlehnen und nicht die Beine überschlagen. Die Hände auf den Knien sind Brauch, keine Vorschrift, in den meisten Pfarreien aber üblich. |
| Knien | Aufrecht knien, Hände gefaltet, nicht auf die Bank stützen oder zurücksetzen. |
| Gehen | Langsam und ruhig, Hände gefaltet. Wer etwas trägt, hält es aufrecht und ruhig vor sich. |
| Kniebeuge | Rechtes Knie kurz zum Boden, Rücken gerade, Hände gefaltet. Sie gilt dem Tabernakel: Wenn er im Altarraum steht, macht man sie beim Kommen zum Altar und beim Weggehen. Steht er nicht im Altarraum, verbeugt man sich tief vor dem Altar. |
| Durchgehen mitten in der Messe (z. B. zwischen Volksaltar und Hochaltar) | Nach der Grundordnung des Römischen Messbuchs macht man mitten in der Feier keine Kniebeuge, nur davor und danach. Viele Pfarreien knien trotzdem gemeinsam vor dem Hochaltar nieder, wenn sie dort vorbeigehen. Das ist Hausbrauch: Auf das Zeichen des Oberministranten warten und dann gemeinsam beugen. |
| Mit Kreuz oder Kerzen in der Hand | Statt der Kniebeuge eine Verneigung mit dem Kopf. Der Weihrauchträger macht es meist ebenso, weil eine Hand das Rauchfass hält. |
| Verneigung mit dem Kopf | Beim gemeinsamen Nennen der drei göttlichen Personen und bei den Namen Jesu, Mariens und des gefeierten Heiligen. |
| Verbeugung mit dem Oberkörper | Vor dem Altar, wenn kein Tabernakel dort steht. Auch beim „und ist Mensch geworden“ im Credo. |
Grundregeln für Ministranten
- Ruhig gehen: Nie rennen, nicht reden, nicht mit dem Nachbarn spielen.
- Fertig? Zurück an den Platz: Wer seine Aufgabe erledigt hat, stellt sein Gerät ab und geht still zum Platz: Kreuz neben den Altar, Kerzen und Rauchfass an den Ständer, Schiffchen auf den Kredenztisch. Wo genau man in der Kirche steht, ist nicht in der Grundordnung geregelt, sondern Brauch der Pfarrei: im Zweifel den Oberministranten vorher fragen.
- Pünktlich kommen: Spätestens 15 Minuten vor der Messe in der Sakristei. Dann bleibt Zeit für Kleidung, Einteilung und Stille.
- Kleidung: Saubere, dunkle Schuhe, dazu Albe oder Rochett. Kein Handy am Altar.
- Blick zum Altar: Wer nicht weiter weiß, schaut auf den Oberministranten oder die anderen. Fehler passieren jedem, weiterdienen ist besser als erschrecken.
- Beichte: Vor dem Ministrieren muss man nicht beichten. Wer aber weiß, dass er schwer gesündigt hat (Todsünde), darf die Kommunion nicht empfangen, bevor er gebeichtet hat (KKK 1385, CIC 916). Wer am Altar dient und sich unsicher ist, geht am besten vorher zur Beichte (siehe Beichte Spickzettel) oder spricht mit dem Priester.
- Keine Kommunion nach schwerer Sünde: Dienen darf man trotzdem, aber man geht nicht zur Kommunion. Üblich ist dann, die Arme vor der Brust zu verschränken (rechte Hand auf die linke Schulter, linke auf die rechte). Der Priester versteht das Zeichen und spendet einen Segen. Das ist kein Ausschluss, sondern ehrlich vor Gott: Die Kommunion hält man sich für nach der Beichte frei.
- Nüchternheit: Eine Stunde vor der Kommunion nichts mehr essen und trinken (nur Wasser und Medikamente sind erlaubt, CIC 919).
Warum wir dienen
Der Ministrant ist nicht nur Helfer, der etwas trägt. Er dient dem, der selbst gekommen ist, um zu dienen.
Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Mk 10,45
Wer am Altar steht, ist dem Geheimnis der Wandlung so nah wie sonst kaum jemand. Der Psalmist sagt:
Lieber an der Schwelle stehen im Haus meines Gottes als wohnen in den Zelten der Frevler. Ps 84,11
Genau dort steht der Ministrant: an der Schwelle, im Haus Gottes.
Quelle
Grundordnung des Römischen Messbuchs (Allgemeine Einführung), besonders Kapitel III (Die Ämter und Dienste bei der Messe) und Kapitel IV (Die verschiedenen Formen der Messfeier).