04.10.202627. Sonntag im Jahreskreis
Bibelstellen
Ein Weinberg bringt nur Frucht, wenn er den Sohn annimmt – und der Stein, den die Bauleute verwerfen, ist der Eckstein des ganzen Hauses. Heute, am Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, der am Kreuz hörte: „Stelle mein Haus wieder her“.
- Jesaja 5,1–7: Gott pflanzt einen Weinberg, baut Turm und Kelter und hofft auf Trauben. Es kommen nur faule Beeren: statt Recht Rechtsbruch, statt Gerechtigkeit Hilfegeschrei. Der Weinberg ist das „Haus Israel“.
- Psalm 80 (79),9.12–13.14.15–16.19–20: Der Weinstock, dessen Mauern eingerissen sind. Der Beter bittet um Schutz für den „Sohn, den du dir stark gemacht“ – und verspricht: „Wir werden nicht von dir weichen. Belebe uns, und wir rufen deinen Namen an.“
- Philipper 4,6–9: „Sorgt euch um nichts“ – bringt eure Bitten mit Dank vor Gott. Was wahr und recht ist und was ihr an Paulus gesehen habt, „das tut!“
- Matthäus 21,33–42.44.43: Die Winzer misshandeln die Knechte und töten zuletzt den Sohn. Der verworfene Stein wird zum Eckstein, und das Reich Gottes geht an ein Volk, das Früchte bringt.
Der Eckstein des Hauses
Zuerst die Frage: Wem wird das Reich weggenommen? Den Winzern, also den Führern des Volkes, die den Sohn nicht annehmen (Mt 21,45). Sie misshandeln die Knechte Gottes, hören nicht auf seine Boten und töten zuletzt den Sohn. Der Weinberg selbst wird nicht zerstört, sondern anderen Winzern gegeben, einem „Volk, das die Früchte des Reiches Gottes bringt“ (Mt 21,41.43). Gottes Volk ist jetzt, wer dem Sohn folgt: die Kirche aus Judenchristen und Heidenchristen. Sie ist das neue Israel.
Jesaja nennt den Weinberg das „Haus Israel“ (Jes 5,7). Der heilige Maximus von Turin sagt es uns direkt: „Dieses Haus, das sind wir […] und weil wir Israel sind, sind wir der Weinberg.“ Das Gleichnis fragt also auch uns: Nehmen wir den Sohn an – oder weisen wir ihn mit unserer Sünde immer wieder ab? Wer ihn nicht annimmt, bringt keine gute Frucht.
Entscheidend ist der Eckstein. Jeder Bau richtet sich nach ihm; wer ihn wegwirft, baut schief. Die Bauleute verwerfen ihn, und er wird doch zum Eckstein (Ps 118,22). Gute Frucht bringt nur, wer Jesus zum Eckstein seines eigenen Hauses macht – seines Lebens, seiner Familie, seiner Gemeinde. Der Weinberg hätte seinem Herrn süße Trauben bringen sollen und hat ihn stattdessen mit Dornen gekrönt. Und Maximus nennt ein Zeichen für gute Frucht, das jeder sofort versteht: „Wer Weinlese hält, ohne an die Armen auszuteilen, sammelt Essig anstelle von Wein.“
Heute denkt die Kirche an Franz von Assisi. Vor dem Kreuz von San Damiano hört er: „Franziskus, siehst du nicht, dass mein Haus in Verfall gerät? Geh also hin und stelle es mir wieder her!“ Franz nimmt Steine und baut die kleine Kirche wieder auf. Gemeint war aber mehr als diese Kapelle: die Kirche, die Christus mit seinem Blut erworben hat. Wenig später hört Franz in der Messe die Aussendung der Jünger (Mt 10) und sagt: Das ist es, was ich suche. Er zieht los, wünscht den Menschen den Frieden des Herrn und ruft sie zur Umkehr. Mauern zu sanieren ist gut, ersetzt aber den Eckstein nicht. Das Haus Gottes besteht aus „lebendigen Steinen“ (1 Petr 2,5), die auf Christus als Eckstein gebaut werden (KKK 756). Wer es wieder aufbauen will, muss den Menschen wieder von Jesus erzählen.
Paulus sagt es so: „Was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut!“ (Phil 4,9). Das ist die Frucht: ein Leben, an dem man Christus sieht und das andere zu ihm führt. Der gute Weinberg sorgt sich nicht um sich selbst, sondern bleibt beim Sohn: „Wir werden nicht von dir weichen. Belebe uns, und wir rufen deinen Namen an“ (Ps 80,19). Nicht die Mauern sind der Weinberg, sondern die Menschen – und Frucht bringt nur, wer den Sohn zum Eckstein macht und von ihm erzählt.
Deine Woche konkret
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Liturgisch:
Franz hat die Stimme Jesu gehört. In der Messe spricht Jesus selbst zu dir, wenn das Evangelium gelesen wird. Sag davor innerlich: „Rede, Herr; denn dein Diener hört“ (1 Sam 3,9) – und hör das Evangelium als Wort, das heute dir gilt. -
Im Gebet:
Bete das Gebet, das Franz vor dem Kreuz von San Damiano gesprochen hat:
Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, gefestigte Hoffnung und vollendete Liebe. Gib mir das Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaftigen Auftrag erfülle.
Bitte Gott dabei, dir den Auftrag und die Berufung für dein Leben zu zeigen, und hör darauf. -
Im Alltag:
Frag dich bei jeder Entscheidung dieser Woche: Was würde Jesus jetzt tun? – im Streit, im Beruf, beim Geld und in der Sexualität – und tu es.